In Ungarn versuchen Orbans Clique und ihre Günstlinge, ihren Reichtum zu sichern: Aktenschredder laufen auf Hochtouren und Oldtimer werden nach Dubai verschifft. Doch Peter Magyar hat den Kampf gegen sie aufgenommen. Am Sonntagabend stand er mit der ungarischen Flagge in der Hand vor jubelnden Massen am Batthyany-Platz, nachdem er Viktor Orban besiegt hatte und eine Zweidrittelmehrheit im Parlament gewann. Mit Frank Sinatras «My Way» auf der Bühne verkündete er den Schluss von 16 Jahren Hass.
Am nächsten Tag nahm Magyar einen ernsteren Ton an, indem er die Zerstörung der Rechtsstaatlichkeit durch Orban und dessen Clique ansprach. Er kritisierte, dass Gerichte mit loyalen Richtern besetzt wurden, 80 Prozent der Medien zu Regierungssprechblasen degradiert wurden, und eine Gruppe von Günstlingen immensen Reichtum anhäuften – dabei gingen rund 50 Milliarden Franken verloren. Magyar versprach, jene zur Verantwortung zu ziehen, die Ungarn ausplünderten.
Die Korruption in Ungarn offenbart sich beim Anblick der prunkvollen Fussballstadien und eines teuren Baumwipfelpfades in Nyirmartonfalva, finanziert mit 160.000 Euro EU-Geldern – ohne Bäume weit und breit. Viele Dörfer im Nordosten des Landes haben keine Stromversorgung oder Zugang zu fließendem Wasser, ihre Bewohner verdienen weniger als 100 Euro monatlich.
Laut Magyar profitierten rund 2000 bis 3000 Menschen von diesem System, dem er selbst entstammte. Die Machtelite ist in Panik geraten. Besonders die Familie Matolcsy wird beschuldigt, den «grössten Bankraub der Welt» begangen zu haben. Während György Matolcsys Amtszeit als Präsident der Nationalbank von 2013 bis März 2025 flossen über 400 Milliarden Forint in eine Stiftung für die Wirtschaftsförderung, doch das Vermögen gelangte über ein Firmengeflecht zu Unternehmen seines Sohnes Adam.
Auch der Renovierungsauftrag des Bankhauptsitzes wurde an einen Vertrauten vergeben, was Kosten von fast 250 Millionen Franken verursachte. Kurz vor den Wahlen verschiffte Adam Matolcsy Oldtimer und Möbel nach Dubai.
Magyar kündigte ein «Amt zur Vermögensrückgewinnung» an, das privatisiertes Staatsvermögen prüfen soll. Am Balaton wurden öffentliche Strände zugunsten des Luxustourismus abgeriegelt und zahlreiche Einrichtungen in private Stiftungen überführt, die oft von Fidesz-nahen Personen geführt werden.
Der reichste Mann Ungarns, Lörinc Meszaros, ein Jugendfreund Orbans, besitzt mehr als 200 Firmen. Magyar will Meszaros’ Netzwerk offenlegen und drohte mit Inhaftierung.
Magyar behauptete, Orbans Aussenminister Peter Szijjarto vernichte Dokumente und sei in dubiose Aktivitäten verwickelt. Während einige panisch reagieren, zeigen sich andere kämpferisch; so fordert das Mathias Corvinus Collegium die Rückgabe von Geldern.
Orban selbst gab nicht auf, obwohl er Magyars Sieg artig gratulierte und beteuerte: «Wir geben niemals, niemals auf.»