Die Weltraumforschung erlebt mit der Artemis-Mission zum Mond eine Renaissance, wobei die Branche in den kommenden Jahren erhebliches Wachstum durch Satellitenaktivitäten erwarten darf. Doch US-Astronomievereinigungen äußern zunehmende Besorgnis über Umweltauswirkungen solcher Entwicklungen und fordern verstärkte Aufmerksamkeit von den US-Behörden.
Ein besonderer Anlass zur Sorge sind die kommerziellen Satelliten, die in niedrige Umlaufbahnen gebracht werden. Der renommierte Bericht ‘Jonathan’s Space Report’ zählt aktuell mehr als 13.000 künstliche Satelliten in dieser Höhe, wobei über 10.000 davon zur Starlink-Plattform von Elon Musk gehören und weltweites Internet via Satellit ermöglichen.
Neuigkeiten von SpaceX sehen die Einführung bis zu einer Million weiterer Satelliten vor, um ein globales Netzwerk für Rechen- und Datenspeicherung zu etablieren. Auch das kalifornische Unternehmen Reflect Orbital plant, bis 2035 insgesamt 50.000 Satelliten zur Reflexion von Sonnenlicht nach der Dämmerung auf die Erde zu bringen.
Ronald Drimmel vom Nationalen Institut für Astrophysik in Turin kritisiert, dass Lichtverschmutzung durch diese zahlreichen Satelliten das Hauptproblem darstellt. “Viele Menschen sehen nur die Vorteile dieser Projekte und ignorieren deren Kosten”, so Drimmel. “Die Menge an Satelliten ist bereits so hoch, dass man fast immer einen im eigenen Blickfeld hat.”, ergänzt er.
Für den Start ihrer Satelliten benötigen SpaceX und Reflect Orbital eine Genehmigung von der zuständigen US-Behörde. Astronomieverbände drängen darauf, diese zu verweigern, da die Behörde Umweltbelange bisher nicht ausreichend berücksichtigt hat.
Satelliten sind in der Regel nur für wenige Jahre ausgelegt; Starlink-Satelliten beispielsweise bis zu fünf. Nach Ablauf ihrer Nutzungsdauer verwandeln sie sich in Weltraumschrott, dessen Auswirkungen auf die Atmosphärenchemie noch unklar sind, wie Drimmel warnt. Er erwähnt potenzielle negative Effekte für die Ozonschicht und das Risiko von Trümmern, die zur Erde zurückfallen könnten.
“Wir entwickeln uns schnell weiter und überlegen nicht genug über mögliche negative Konsequenzen”, so Drimmel abschließend. “Diese haben globale Auswirkungen, unabhängig davon, welche Länder die Satelliten starten.”
RSI, Il giardino di Albert, 11.4.2026, 18 Uhr