Das Kürzel KKS ist so bekannt wie ihr Gesicht. Jüngst korrigierte Karin Keller-Sutter jemanden auf der Strasse, der sie um ein Selfie bat und sich bei ihr vergriffen hatte: «Ich glaube, Sie verwechseln mich», sagte die Bundesrätin. Die Situation sei ihrer Meinung nach strafrechtlich relevant. Sie betont die Wichtigkeit von Werten und Überzeugungen in der heutigen Zeit, auch wenn dies gegen den sogenannten Mainstream geht, der oft mit Respektlosigkeit einhergeht.
Auch als Bundesrätin und frühere Finanzministerin schätzt sie Momente der Anonymität. So etwa im Kaufhaus: Wenn beim Abholen zurückgelassener Ware nach ihrem Namen gefragt wird, erkennt man sie nicht wieder. In den Ferien bleibt der Job präsent. Sie telefoniert täglich mit dem Büroteam und liest Zeitungen, so Keller-Sutter. Es gibt auch in dieser Zeit «strubige» Tage.
Zitiert wurde ihr ehemaliger Bundesratskollege Didier Burkhalter: «Man ist immer Bundesrat – das ist wie eine zweite Haut.» Das bedeutet auch, dass man sich mit der ständigen Erreichbarkeit abfinden muss, was zugleich als Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden gesehen wird.
Die ruhige Zeit in den Ferien nutzt sie zum Lesen und verbringt gerne draußen am Meer. Auf Skipisten sieht man sie allerdings nicht – ein Lacher für ihren Gesprächspartner, den Weltklasse-Skifahrer Marco Odermatt. Stattdessen boxt die 62-Jährige jeden Montag im Boxkeller. Sie übt unter Anleitung Schlagkombinationen und betont: «Einfach hinstehen geht nicht.» Man müsse offensiv und defensiv boxt, um den Gegner kontrollieren zu können.
Im politischen Alltag setzt sie ihre Fäuste lediglich gedanklich ein, wie sie scherzhaft meint. Früher sagte sie am 20. Februar 2012 in der Sendung «Persönlich»: «Ich habe mich einmal zur Verfügung gestellt und kandidiert für die Wahl 2010. Ich bin nicht gewählt worden. Für mich ist das Thema damit abgeschlossen.» Ob sich dieser Entschluss ändern könnte, verneinte sie damals.
Nach einigen Jahren kehrte sie zurück in den politischen Fokus: Als Bundesrat Johann Schneider-Ammann zurücktrat, wurde Ständeratspräsidentin Keller-Sutter von Parlamentariern aller Parteien aufgefordert, erneut zu kandidieren. «O Wunder», so sagte auch ihr Mann – damals stand sie vor der Wahl zwischen ihm und einer Kandidatur.
Gekommen ist es anders: 2018 wurde Karin Keller-Sutter in den Bundesrat gewählt und ihr Mann unterstützt sie bis heute. Herausforderungen wie das Präsidialjahr 2025, Gespräche mit Donald Trump über Zölle oder hitzige Debatten um ein Entlastungspaket mussten bewältigt werden.
Nach dem plötzlichen Tod ihres ältesten Bruders hat sie gelernt, viel auszuhalten und mental stark zu sein: «Man kann schnell wieder motiviert werden und Abstand gewinnen.» Der Verlust habe vieles relativiert, betont Keller-Sutter.
Trotz der Herausforderungen gab es auch schöne Momente – wie die Begegnung mit dem Papst. Die Weltlage wird sicherlich weitere Hürden bringen. Doch Karin Keller-Sutter scheint gut gerüstet zu sein.
«Persönlich» ist eine Live-Radio-Talksendung in der Schweiz, bei der jede Woche Menschen über ihr Leben sprechen und Wünsche, Interessen sowie Ansichten teilen. Die Sendung findet jeden Mittwoch um 10 Uhr auf Radio SRF 1 statt.