Trotz des iranischen Beschusses von Schiffen in der Straße von Hormuz, den Präsident Trump als „vollständigen Bruch der Waffenruhe“ bezeichnete, kündigt er neue Verhandlungen mit Teheran an. Er bot Iran ein „faires und vernünftiges Abkommen“ an, drohte jedoch, im Falle einer Ablehnung „jedes Kraftwerk und jede Brücke in Iran zu zerstören“. Diese Ankündigung erfolgte, während die Schifffahrt durch die strategische Meerenge weitgehend zum Erliegen gekommen war. Am Samstag beschossen iranische Streitkräfte einen Tanker sowie einen Frachter, und am folgenden Tag mussten zwei weitere Tanker umkehren, wie iranische Medien berichteten.
Ein US-Verhandlungsteam wird am Montagabend in Pakistan eintreffen, um mit Iran zu sprechen. Diese zweite Runde soll laut Trumps Ankündigung auf seinem Netzwerk „Truth Social“ am Dienstag beginnen. Die USA reagierten damit auf die iranische Blockade von US-Häfen seit dem vergangenen Montag.
Derzeit stauen sich etwa 400 bis 500 Schiffe im Persischen Golf, und selbst bei einer Einigung in Islamabad könnte es Wochen dauern, um den Tanker-Stau zu lösen. Rohölpreise sollen wohl nicht weiter steigen, da die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien ihre Exporte über andere Pipelines aufrechterhalten.
Europäische Konsumenten könnten jedoch stark von einem Mangel an Bunkertreibstoff für Frachtschiffe und Flugbenzin betroffen sein. Diese Treibstoffe werden hauptsächlich in Kuwait produziert, wo die Produktion wegen fehlender Pipelines und beschädigter Raffinerien stillsteht.
Henning Gloystein von der Eurasia Group berichtet bereits von Auswirkungen: In Süd- und Südostasien wurden Flugverbindungen gestrichen und Schiffsrouten umgeleitet. Auch in Italien gibt es Beeinträchtigungen an Flughäfen, und die Kerosinbestände könnten bis Juni oder Juli kritisch niedrig sein.
Sollte der Mangel andauern, könnte dies zu Preissteigerungen für Güter führen, was den globalen Schifffahrtssektor noch stärker beeinträchtigen würde als während der Covid-Pandemie. Gloystein prognostiziert Preise auf einem höheren Niveau bis 2027.
Falls die USA und Iran in Pakistan keinen Kompromiss finden, droht eine Vertiefung der weltwirtschaftlichen Krise. Der iranische Parlamentssprecher Mohammed Ghalibaf zeigte sich skeptisch hinsichtlich einer baldigen Einigung, da viele Punkte noch ungeklärt sind.
Die Kernstreitpunkte bleiben Irans Urananreicherung und die Kontrolle über die Straße von Hormuz. Iran zeigt zudem keine Bereitschaft, sein Milizennetzwerk aufzugeben. Ismail Ghani, Chef der Kuds-Einheit, traf in Bagdad mit irakischen Politikern zusammen, was auf eine Fortsetzung Irans aggressiver Außenpolitik hindeutet.
Der Konflikt im Nahen Osten ist noch nicht beigelegt, und bereits in wenigen Tagen könnte es erneut zu militärischen Auseinandersetzungen kommen. Selbst bei einer Einigung in Islamabad scheint die Region nicht auf stabilere Zeiten zuzusteuern.