Die französische Serie «Skibidi Tentafruit», die auf TikTok viral geht, zeigt in kurzen Clips KI-generierte Früchte in inszenierten Beziehungs- und Konfliktsituationen. Diese orientieren sich stark an bekannten Reality-TV-Formaten. Mit über 160 Millionen Aufrufen hat das Projekt bereits einen großen Erfolg erzielt, obwohl es technisch und finanziell günstig produziert wird.
Olivier Kennedy, Präsident der Genfer Marketingagentur Enigma, betonte gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS), dass das Projekt mit einigen hundert Franken pro Monat umgesetzt werden kann, da leistungsfähige KI-Tools verfügbar sind. Entscheidender als das Budget sei der Zeitaufwand.
Trotz des Erfolgs wird die Serie für ihre einseitigen Geschlechterdarstellungen kritisiert: Frauen erscheinen oft sexualisiert und überzeichnet, während Männer durch Dominanz oder impulsives Verhalten charakterisiert werden. Die Inhalte richten sich an Kinder, stellen aber vorwiegend Erwachsenenthemen dar.
Ein von RTS befragtes Kind äußerte gegenüber dem Sender, dass die Szenen unangemessen seien und vulgäre Wörter wie ‹tana› enthalten würden. François Jost, Professor für Informations- und Kommunikationswissenschaften an der Universität Sorbonne in Paris, meint, der Erfolg bei Kindern liege daran, dass eine unbekannte Welt erschaffen werde, die viele Erwachsene nicht verstehen.
Die Serie wurde von zwei Betriebswirtschaftsstudenten produziert und kann pro Million Aufrufe 15 bis 25 Euro einbringen. Dieses Geschäftsmodell profitiert vom TikTok-Algorithmus, der kurze, konfliktreiche und emotionalisierende Inhalte bevorzugt.
Olivier Kennedy weist darauf hin, dass nicht die KI selbst problematisch sei, sondern die Menschen dahinter, die entscheiden, was produziert wird. Dies spiegele unsere eigenen Vorurteile wider. Von früheren Reality-Shows wie «Loft Story» bis heute hat sich das Erfolgsrezept kaum verändert – neu ist lediglich die Verwendung von KI-generierten Figuren statt Menschen, was die Reichweite erheblich steigerte.