In Oslo fordert die Staatsanwaltschaft eine sieben Jahre und sieben Monate dauernde Gefängnisstrafe für Marius Borg Höiby, den ältesten Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit. Der Prozess dreht sich um vier Vergewaltigungsvorwürfe. Das Urteil steht noch aus.
Die Staatsanwaltschaft hat beantragt, die bereits in Untersuchungshaft verbrachte Zeit von 63 Tagen auf die Haftstrafe anzurechnen. Zudem soll es ein zweijähriges Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin geben. Staatsanwalt Sturla Henriksbö plädierte am Mittwoch, Höiby in 39 von 40 Anklagepunkten zu verurteilen und ihn nur für einen Verstoss gegen ein Kontaktverbot freizusprechen.
Höiby ist unter anderem wegen vier Fällen von Vergewaltigung nach norwegischem Recht angeklagt, wobei in drei Fällen ungewollte Berührungen im Genitalbereich und einmal Penetration vorgeworfen werden. Staatsanwalt Henriksbö erklärte laut der Zeitung “Verdens Gang”, dass Vergewaltigung tiefgreifende Verletzungen nach sich ziehen könne.
Das mutmaßliche Opfer war zum Tatzeitpunkt entweder im Schlaf oder erlebte einen Blackout, während Höiby sie gefilmt haben soll. Die auf seinen Handys gefundenen Aufnahmen spielten eine zentrale Rolle im Prozess. Staatsanwalt Henriksbö führte an, dass vor den Taten mit drei Frauen freiwilliger Sex stattgefunden hatte und dies strafmildernd wirken sollte.
Höiby muss sich auch mehreren Fällen häuslicher Gewalt gegen zwei Ex-Freundinnen stellen. Ein Vorfall in einer Wohnung führte zur Anklageerhebung: Er soll seine damalige Freundin, bekannt als “Frogner-Frau”, gewürgt und einen Kronleuchter zerstört haben.
Die Beziehung zu dieser Frau war laut Anklage durch Höibys Aggressionsprobleme gekennzeichnet; er sei oft eifersüchtig und gewalttätig. Trotz einer vorübergehenden Trennung nahmen die beiden den Kontakt wieder auf, weshalb er ein Kontaktverbot brach.
Neben Sexual- und Gewalttaten wird Höiby auch für weniger schwere Vergehen wie Fahren unter Alkoholeinfluss und Marihuanatransport angeklagt. Während er einige Taten zugibt, bestreitet er die Vergewaltigungsvorwürfe.
Staatsanwalt Henriksbö gab den mutmaßlichen Opfern mehr Glaubwürdigkeit als Höiby, der im sechs Wochen andauernden Prozess oft behauptete, sich nicht genau erinnern zu können. Laut “Verdens Gang” kritisierte der Staatsanwalt Höibys mangelnden Respekt für soziale Normen.
Während Höiby sich als “Monster in der öffentlichen Wahrnehmung” bezeichnet hatte, betonte der Staatsanwalt im Plädoyer, dass er wie jeder andere Mensch behandelt werden und nicht wegen seiner Identität, sondern für seine Taten zur Rechenschaft gezogen werden solle.