Ein Jahr voller Herausforderungen liegt hinter Karin Keller-Sutter (62): Zollverhandlungen mit dem damaligen US-Präsidenten Trump, intensive politische Debatten und der Verlust ihres Bruders. Als Ausgleich zu ihrem fordernden Alltag hat sie den Boxkeller für sich entdeckt.
An Montagabenden ist die Finanzministerin nicht im Büro zu finden, sondern in einem Trainingszentrum, wo sie verschiedene Schlagtechniken übt. Dieser Ort ermöglicht es ihr, sich von der ständigen Erreichbarkeit ihres politischen Alltags abzukoppeln und einfach sie selbst zu sein.
In der SRF-Sendung “Persönlich” erklärt Keller-Sutter: «Einfach hinstehen geht nicht. Man muss wissen, wie man offensiv und defensiv boxt.» Sie schätzt den Drill des Trainings, da es ihr erlaubt vollkommen abzuschalten.
Boxen bedeutet für sie mehr als bloße Kraftakte; es erfordert Koordination, Kontrolle über den Gegner sowie eine starke Defensive, um im richtigen Moment zuzuschlagen. Lachend fügt die Politikerin hinzu: In der Politik nutzt sie ihre Fäuste nur geistig.
Im Boxkeller herrscht das “Du” vor; man duzt sich gegenseitig. Dieser Ort ist besonders wertvoll für Keller-Sutter, da selbst in den Ferien die Arbeit nicht abgeschaltet werden kann: Sie bleibt mit ihrem Büro vernetzt, liest Zeitungen und beantwortet Mails.
Keller-Sutter zitiert Didier Burkhalter, ihren ehemaligen Bundesratskollegen: “Man ist immer Bundesrat – das ist wie eine zweite Haut.” Dies bedeute auch in den Ferien zu arbeiten. Ihre ruhigeren Momente verbringt sie am liebsten mit einem Buch oder am Meer.
Im Winter bleibt sie von der Piste fern, auf die Frage nach Skifähigkeiten antwortet sie knapp: “Nein.” Dies löst Heiterkeit aus, vor allem im Anwesenheit von Marco Odermatt, dem weltbesten Skifahrer, der schelmisch bemerkt: «Katastrophe!”
Das Präsidialjahr 2025 war für Keller-Sutter emotional belastend und herausfordernd. Sie hat gelernt, viel auszuhalten und mental stark zu bleiben: “Ich kann relativ schnell wieder motivieren und Abstand gewinnen.” Der Tod ihres Bruders habe vieles in eine neue Perspektive gerückt.
Für sie stehen die wichtigen Dinge im Leben wie Beziehungen, Austausch und Liebe im Vordergrund. Ein Highlight des Jahres war der Besuch beim Papst – ein Moment, den Keller-Sutter als besonders bewegend erinnert.