Wenn es um Schmerzen durch Verspannungen, Hexenschuss oder Arthrose geht, greifen viele Menschen auf Diclofenac-haltige Produkte zurück. Diese sind unter Markennamen wie Voltaren und Ecofenac bekannt. Der Wirkstoff zählt zu den drei Medikamenten mit gesetzlichem Grenzwert im Wasser, wobei er am häufigsten über diesen hinausgeht. Da der menschliche Körper Diclofenac kaum abbauen kann, gelangt es bei täglichen Routinen wie Händewaschen oder Duschen in die Abwasserreinigungsanlagen und schließlich ins Gewässer. Insbesondere an der Aare in Brugg AG wurden hohe Rückstände festgestellt. Täglich werden dort bis zu 1,5 Kilogramm des Wirkstoffs erfasst – im gesamten Jahr summieren sich die Mengen auf 250 Kilogramm. „Eine Vierteltonne Diclofenac ist vergleichbar mit dem Inhalt von etwa 100.000 Tuben“, erklärt Martin Märki, Leiter des Umweltlabors des Kantons Aargau. Die Auswirkungen auf Fische sind gravierend: Nieren-, Kiemen- und Leberschäden können auftreten, da die Konzentrationen oft über den gesetzlichen Vorgaben liegen. Im Winter ist dies besonders problematisch; im Sommer sinkt die Belastung durch Abbau durch Sonnenlicht. Das Wasserforschungsinstitut Eawag untersucht solche Mikroverunreinigungen und stellt fest, dass mittelgroße bis große Fliessgewässer im Mittelland und Jura stark betroffen sind. „Fische und andere aquatische Lebewesen werden kontinuierlich Diclofenac ausgesetzt“, so Christian Stamm, stellvertretender Direktor der Eawag. Eine innovative Lösung bietet die Pionieranlage in Renach AG, die seit zehn Jahren Mikroverunreinigungen wie Diclofenac mit einer Ozon-Anlage effektiv beseitigt. „Ozon oxidiert alle Stoffe und spaltet so Verunreinigungen auf“, erläutert Reto Pfendsack, Betriebsleiter der ARA Reinach. Hier ist das gereinigte Abwasser nahezu frei von Diclofenac. Solche Anlagen sind jedoch rar: Von den rund 700 Kläranlagen in der Schweiz hatten Ende 2025 lediglich 42 eine zusätzliche Reinigungsstufe, weitere 24 befanden sich im Ausbau. Gemäß dem Gewässerschutzgesetz müssen bis 2040 bereits 140 und bis 2050 ganze 440 Anlagen umgerüstet werden. Die geschätzten Kosten für dieses Infrastrukturprojekt belaufen sich auf drei Milliarden Franken, finanziert durch einen nationalen Fonds und Abwassergebühren. Das Bundesamt für Umwelt betont hingegen: „Der Ausbau einer zusätzlichen Reinigungsstufe ist zeitaufwendig und sollte in den Lebenszyklus einer Anlage integriert werden, um ökologische und wirtschaftliche Effizienz zu gewährleisten.“ Um den Gewässern schnell zu helfen, wird empfohlen: Diclofenac sparsam einzusetzen und Gelreste nicht abzuwaschen, sondern mit einem Papiertuch im Müll zu entsorgen.