Die Börsen reagieren nervös auf den Krieg im Iran, wobei die Preise für Brent-Öl von 72 Dollar pro Fass Anfang März auf über 110 Dollar sprunghaft gestiegen sind. Der Ölpreisrückgang am Montag konnte diesen starken Anstieg jedoch nicht ausgleichen. Die Angst, dass der Konflikt sich weiter verschärfen könnte, wächst, insbesondere nachdem Iran Mojtaba Khamenei als neuen Führer bestimmt hat.
Am Montag eröffnete der Swiss-Market-Index (SMI) mit einem Minus von 3 Prozent und schloss mit einem Rückgang von 0,7 Prozent. Ähnliche Einbußen gab es in Asien: Der Nikkei-225-Index fiel um 5,2 Prozent. In Europa verzeichneten die Märkte ebenfalls Verluste, wobei der Euro-Stoxx 50 am Ende des Handelstages um 0,6 Prozent sank. Die US-Märkte starteten mit leichten Abschlägen: Der S&P 500 lag bei einem Minus von 0,4 Prozent und der Nasdaq Composite bei 0,3 Prozent.
Arthur Jurus von Oddo BHF bemerkt, dass Vermögenswerte, die auf Energiepreiserhöhungen oder globale Wachstumseinbußen reagieren, am stärksten betroffen sind. Europäische und asiatische Märkte litten mehr als amerikanische wegen ihrer Abhängigkeit von Energieimporten. Betroffene Branchen umfassen Industrie- und energieintensive Sektoren wie Chemie und Transport. Konjunktursensible Sektoren und kleine Unternehmen verzeichneten größere Verluste, während große US-Techunternehmen resilienter blieben.
Die Inflationsängste wachsen mit den steigenden Energiepreisen. Investoren befürchten eine längere Dauer des Iran-Krieges, die das Wirtschaftswachstum belasten und die Teuerung verstärken könnte, was Befürchtungen über Stagflation weckt – eine Phase von geringem Wachstum bei steigender Inflation. Thomas Stucki von der SGKB erinnert daran, dass in den USA frühere Ölpreisanstiege die Teuerung stark erhöhten: 2008 auf 5,6 Prozent und 2022 über 9 Prozent.
In der Schweiz waren die Inflationsraten mit Höchstständen von 2,9 Prozent bzw. 3,4 Prozent niedriger. Die Entwicklung rund um die strategisch wichtige Strasse von Hormuz wird entscheidend sein für den Einfluss auf die Inflation. Stucki glaubt nicht an eine lange Phase der Stagflation und erwartet weiterhin Schwankungen an den Aktienmärkten, die sich bald stabilisieren könnten.
Seit Jahresbeginn liegt der SMI 2 Prozent im Minus, der Euro-Stoxx 50 um 1,8 Prozent und der amerikanische S&P 500 um 1,7 Prozent. Johannes von Mandach von Wellershoff & Partners sieht den Iran-Krieg und die hohen Ölpreise als belastende Faktoren für die Weltwirtschaft und Aktienmärkte, da sie zu höherer Inflation führen könnten. Zudem steigen die nominalen sowie inflationsgeschützten Anleihezinssätze in den USA, was auf ein Vertrauensverlust gegenüber US-Staatsobligationen hindeuten könnte. Dies spricht für niedrigere Bewertungen bei fast allen Anlageklassen und erfordert von Anlegern Vorsicht.