In Istanbul steht sechs Monate nach dem Tod einer vierköpfigen deutschen Familie aus Hamburg ein Gerichtsverfahren an. Die Angeklagten müssen sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten, da die Eltern und ihre beiden Kinder durch eine Insektizid-Vergiftung ums Leben kamen. Sie waren im November nach Istanbul gereist und in einem Hotel untergekommen, das mit dem tödlichen Gas behandelte Zimmer hatte. Der Fall löste große Bestürzung aus.
Die Eltern, beide deutsche Staatsbürger türkischer Herkunft, reisten mit ihren Kindern im Alter von drei und fünf Jahren nach Istanbul. Nach einem Stadtbummel, bei dem sie Street-Food genossen, erlitten die Kinder Übelkeit und Erbrechen. Obwohl sie zunächst ins Krankenhaus eingeliefert und dann entlassen wurden, verschlechterte sich ihr Zustand rasch. Kurz darauf musste die gesamte Familie wieder in medizinische Behandlung, woraufhin die Mutter und anschließend die Kinder verstarben. Der Vater erlag nach mehreren Tagen auf der Intensivstation ebenfalls den Folgen.
Zwei weitere Touristen im selben Hotel zeigten ähnliche Symptome, was die Ermittler zur Überprüfung des Hotels führte. Ein Gutachten ergab eine Vergiftung durch Phosphin, das aus dem Einsatz eines Insektizids zur Bettwanzenbekämpfung in einem benachbarten Zimmer stammte. Der zuständige Dienstleister hatte laut Anklage keine Genehmigung für die Verwendung des Mittels.
In der Türkei wie auch in Deutschland sind strenge Auflagen für den Einsatz von Aluminiumphosphid, aus dem Phosphin entsteht, vorgeschrieben. Es wird primär zur Schädlingsbekämpfung in Vorratslagern eingesetzt; zur Bettwanzenbekämpfung gilt es als unsachgemäß und gefährlich.
Zu den Angeklagten zählen der Hotelbesitzer und der Inhaber des Schädlingsbekämpfungsunternehmens. Einem Angestellten wird vorgeworfen, die medizinische Hilfe verzögert zu haben. Die Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafen von über 22 Jahren. Die Familie wurde in ihrer Heimatprovinz Afyonkarahisar beigesetzt, wo der Mann seiner Frau einen Städtetrip zum Geschenk gemacht hatte.