Die aktuellen Zahlen zeigen, dass Fluchtversuche aus dem Iran in Richtung Europa selten sind, wohingegen andere Regionen mehr Migranten liefern. Seit 2015 ist die Angst vor einer erneuten großen Flüchtlingswelle im Nahen Osten in Europa präsent, doch bei Iranern zeigt sich eine geringere Bewegung nach Europa. Die irregulären Grenzübertritte sind seit Jahresbeginn so niedrig wie zuletzt 2018, wie Frontex berichtet.
Im ersten Quartal 2026 wurden etwa 21.400 Übertritte registriert, was einen Rückgang um rund 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Lediglich die westliche Mittelmeerroute nach Spanien verzeichnete hierbei einen Anstieg. Trotz der schweren wirtschaftlichen und politischen Lage in Iran – geprägt von Repression, Wasserknappheit sowie Bombardierungen seit Ende Februar durch Amerika und Israel – bleibt die Migration nach Europa gering.
Iraner stellen in Europa monatlich maximal 2.000 Asylgesuche, hinzu kommen einige Hundert irreguläre Einreisen. Die meisten fliehen nach Deutschland, Frankreich und den Niederlanden, wo sich etablierte iranische Diasporas befinden. Doch die Chancen auf Schutz sind eingeschränkt: Nur etwa ein Drittel der Asylgesuche wird europaweit anerkannt.
Im Vergleich zur Krise 2015 ist Europa auch Wochen nach dem Kriegsausbruch weit von einer solchen Flüchtlingswelle entfernt. Damals kamen hunderttausende Iraner über die Türkei und Griechenland. Heute ziehen sich die wenigen, die fliehen, längere, teurere Routen über Ägypten, Ostlibyen oder das zentrale Mittelmeer vor.
Hauptsächlich finden die Flüchtlingsbewegungen innerhalb Irans statt: Über 3,2 Millionen Menschen sind derzeit innerhalb des Landes vertrieben. Die Gründe für den geringen Austritt aus dem Land sind unklar; möglicherweise erschwert das Regime Ausreisen oder hindern zerstörte Infrastruktur und Geldmangel die Flucht.
Im Libanon, wo ebenfalls Bombardierungen seit Ende Februar erfolgen, ist die Situation ähnlich. Trotz hoher Flüchtlingsdichte – rund 800.000 Syrer und etwa eine halbe Million Palästinenser sind registriert – gelangen nur wenige nach Europa. Besonders in den Jahren 2022 und 2024, als sich die humanitäre Lage verschlechterte, kamen einige Hundert Libanesen.
Insgesamt bleibt der Weg nach Europa für viele versperrt; etwa 80.000 Syrer kehrten zurück nach Hause. Asylverfahren sind ausgesetzt. Die steigenden Überfahrten von Sudanesen im Mittelmeer könnten auf spätere größere Fluchtbewegungen hindeuten, die oft erst zeitlich verzögert eintreten.
Europa hat seine Grenzkontrollen entlang der Migrationsrouten verstärkt und Rückführungsabkommen mit Ländern wie Türkei, Tunesien und Marokko geschlossen. Dennoch kann sich die Lage schnell ändern; so gelangten beispielsweise wieder mehr Algerier und Marokkaner nach Spanien.
Trotz verschärfter Kontrollen wagen viele Migranten Überfahrten unter gefährlichen Bedingungen, was zu zahlreichen Havarien und mindestens 1.000 Todesopfern bis März 2026 führte. Während die irregulären Einreisen um 40 Prozent sanken, stieg die Zahl der mutmaßlich Toten um etwa 70 Prozent.