In der Schweiz bleibt Darmkrebs unter Personen unter 50 Jahren noch selten, wobei jährlich rund sieben von 100.000 Menschen erkranken. Der Trend ist jedoch steigend: Bei Männern erhöhte sich die Inzidenz im Beobachtungszeitraum um jährlich 0,46 Prozent und bei Frauen um 0,49 Prozent. Jeremy Meyer, Mitautor der Studie, wurde in einer Pressemitteilung der Universität Genf zitiert: “Heutzutage treten Fälle auch bei Menschen in ihren Dreißigern auf, ohne persönliche oder familiäre Vorbelastungen.” Dies steht im Kontrast zu älteren Altersgruppen, wo die Erkrankungszahlen seit den 2000er-Jahren abnehmen. Dies wird hauptsächlich Früherkennungsprogrammen zugeschrieben. Jüngere Menschen fallen jedoch nicht unter systematische Vorsorgeuntersuchungen; in der Schweiz übernehmen Krankenkassen die Kosten für Darmkrebs-Screenings erst ab 50 Jahren. Die Forscher betonen, dass Präventionsmaßnahmen angepasst werden müssen, indem das Screening früher beginnt und gleichzeitig das Bewusstsein für Symptome bei Jüngeren erhöht wird. Auffällig ist, dass Darmkrebs bei Jüngeren häufiger erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird: 27,7 Prozent der Erkrankungen unter 50-Jährigen wurden im Stadium IV erkannt – die Patienten hatten Metastasen. Bei den 50- bis 74-Jährigen lag dieser Anteil bei 22,1 Prozent und bei über 75-Jährigen bei 19,4 Prozent. Die Forscher führen dies weniger auf eine aggressivere Tumorbiologie zurück, sondern auf strukturelle Probleme: Darmkrebs wird oft als Alterserkrankung betrachtet. Symptome wie Blut im Stuhl oder Bauchschmerzen werden bei Jüngeren häufig nicht ernst genommen und harmlosen Ursachen zugeschrieben, was zu “diagnostischen Verzögerungen” führt. Der Grund für den Anstieg ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Die Forscher aus Genf nennen mögliche Faktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel und eine Ernährung mit stark verarbeiteten Lebensmitteln. Zudem weisen neue Erkenntnisse auf die Rolle des Darmmikrobioms hin: Frühe Umwelteinflüsse könnten das Krebsrisiko langfristig prägen. SRF 4 News, 21.4.2026, 12 Uhr; sda/fann; hosb; wilh