Ein grüner Regierungsrat lehnt ein offizielles Porträt ab, das für die Zürcher Ahnengalerie bestimmt war, und verpasst so eine Gelegenheit, dem Trend zur übermäßigen Imagekontrolle entgegenzuwirken. Die Darstellung zeigt den einflussreichen Politiker in einer unwirtlichen Eislandschaft – ängstlich und unentschlossen. Der Künstler Hans Witschi, bekannt für seine Arbeiten über menschliche Verletzlichkeit, hatte drei Varianten geschaffen: eine davon zeigte Neukom als beunruhigten Wanderer in der eisigen Weite, zwei weitere als geisterhaftes Wesen und einen Pop-Art-Schädel. Keine dieser Darstellungen fand den Gefallen des Politikers, sodass die Werke abgelehnt wurden. Diese Entscheidung reflektiert eine zunehmende Tendenz zur strengen Kontrolle des öffentlichen Bildes von Politikern. Eine Schar an PR-Beratern und Pressesprechern umringt Politiker, um jedes Detail zu managen, während kritische Betrachtungen in den Hintergrund rücken.
Die Bilder von Witschi offenbaren die Grenzen des politisch Machbaren für einen Mann, der mit Zahlen argumentiert und doch das Gewicht von Emotionen erkennt. Neukom wollte ein Bild, das ihn jung und dynamisch zeigt; stattdessen empfand er die Gemälde als Ausdruck von Hilflosigkeit und Verzweiflung – eine Wahrnehmung, die ihm nicht entsprach. Kunst birgt jedoch immer Risiken und birgt die Möglichkeit, sich selbst aus einer neuen Perspektive zu sehen.
Die Haltung Neukoms symbolisiert das Dilemma vieler Politiker: Die Angst vor unkontrollierten Bildern überwiegt. Diese Zurückhaltung könnte auf ein tieferes Problem hindeuten – eine Unfähigkeit, Risiken einzugehen, nicht nur in der Kunst, sondern auch in der Politik selbst.