Martina Mara erforscht, warum Menschen Gefühle für Maschinen entwickeln und wie dies ihre Entscheidungsprozesse beeinflusst. Als Professorin für Psychologie der künstlichen Intelligenz an der Johannes-Kepler-Universität Linz analysiert sie Mensch-Maschine-Interaktionen. In ihrer Rolle als Aufsichtsrätin der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft betont Mara die Risiken, die entstehen können, wenn Maschinen menschliche Züge zugesprochen werden.
Sie erklärt, dass Sprachmodelle wie Chat-GPT eine neue Art von Beziehung zwischen Menschen und Maschinen ermöglichen. Diese Technologien können Menschen beeinflussen, indem sie ihnen Empfehlungen geben, die als Freundschaftsratschläge wahrgenommen werden. Ein Experiment zeigte, dass 17 Prozent der Befragten ihre Meinung zu ethischen Fragen änderten, nachdem Chat-GPT ihnen geraten hatte, anders zu entscheiden.
Mara stellt fest, dass Einsamkeit die Neigung verstärkt, Maschinen menschliche Eigenschaften zuzuschreiben. Studien zeigten, dass einsame Probanden eher bereit sind, mit einem Roboterarm in Kontakt zu treten und diesem menschliche Qualitäten zuschreiben. Menschen versuchen häufig, ihre Bedürfnisse nach sozialer Verbundenheit durch Interaktion mit Maschinen zu stillen – ein Phänomen namens Anthropomorphismus.
Das Gefühl der Nähe zu KI-Chatbots kann bei bestimmten Gruppen wie einsamen oder sozial ängstlichen Menschen positive Effekte haben. Eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergab, dass jeder fünfte Deutsche Freundschaften mit einem KI-Sprachassistenten vorstellen könnte. Junge Erwachsene sprechen häufiger über persönliche Themen mit KI als mit anderen Personen.
Mara weist darauf hin, dass die Wahrnehmung von Chatbots als eigene Persönlichkeiten das Bewusstsein für dahinterliegende Geschäftsmodelle schwinden lässt. Zudem könnte der Einfluss solcher Technologien auf politische Meinungen nicht ausgeschlossen werden.
Weitere Faktoren, die zur Vermenschlichung von Geräten führen, sind Persönlichkeitseigenschaften und soziale Prägungen. Frauen neigen stärker dazu, Technologie zu vermenschlichen, was auf Unterschiede in der KI-Kompetenz zurückgeführt wird.
Schließlich thematisiert Mara die zunehmende Nutzung von humanoiden Robotern in Unternehmen. Diese werden oft als Lösung für menschenähnliche Arbeitsumgebungen gesehen, obwohl ihre praktischen Anwendungen noch begrenzt sind.