Ein veränderter Sonntagabend für Franny: Die Schweizer Content-Creatorin erhält per E-Mail die erschütternde Nachricht, dass sie zum Opfer sexueller Onlinegewalt geworden ist. Trauer und Hilflosigkeit weichen ihrer Wut und dem Drang, sich Gehör zu verschaffen. Im Gespräch erzählt Franny über den Vorfall, dessen Auswirkungen auf ihr Leben und ihre Mission für gesetzliche Reformen.
Franny, 21 Jahre alt, ist eine bekannte Influencerin in der Schweiz mit 2,6 Millionen Followern bei TikTok und einer Million Followerinnen bei Instagram.
SRF News: Wie haben Sie von dem Vorfall erfahren?
Zuerst war ich traurig. Danach wurde die Wut überwältigend, besonders weil ich nichts ändern konnte – das ist ungerecht. Ich wollte nie in eine solche Situation geraten und hatte keine Wahl.
Warum entschieden Sie sich dafür, öffentlich zu sprechen?
Wir Betroffenen haben uns gegenseitig ermutigt, dies öffentlich zu machen. Ein weiterer Grund war die geringe Chance, die Täter zu identifizieren. Dennoch erreichen wir durch soziale Medien eine große Öffentlichkeit und können für Menschen sprechen, die keine eigene Plattform haben. So können wir auch Veränderungen anstoßen – es fühlte sich an, als sei ich dazu verpflichtet.
Es ist wichtig, darüber zu diskutieren und nicht wegzusehen. Der Fall von Collien Fernandes hat gezeigt, dass das aktuelle Rechtssystem erhebliche Lücken aufweist.
Die rechtliche Lage ist unklar. Sollten KI-generierte Pornografien als eigenständiger Straftatbestand gelten?
Ja, definitiv. Es existiert kein Gesetz, das Deepfake-Pornografie eindeutig erfasst und ahndet. Für Opfer bedeutet dies, dass sie kaum Schutz finden. Gleichzeitig können Täter oft ungestraft bleiben. Klare gesetzliche Regelungen sind daher dringend erforderlich.
Es mangelt an Aufmerksamkeit und Bewusstsein für diese Missbrauchsform, besonders in meiner Generation. Viele Täter scheinen junge Männer zu sein.
Wie hat Ihr Umfeld reagiert?
Innerhalb der Woche nach Erhalt des E-Mails wurden mir viele ähnliche Fälle bekannt, auch aus meinem direkten Umfeld – und das sind keine Influencerinnen. Die Täter erstellen teilweise Inhalte aus dem eigenen Bekanntenkreis. Warum wird darüber nicht mehr gesprochen?
Sie bleiben weiterhin auf Social Media aktiv. Hat sich Ihr Umgang damit geändert?
Ich habe mir vorgenommen, mich in meiner Arbeit nicht einschränken zu lassen, aber das ist schwierig. Beim Filmen und Bearbeiten denke ich immer daran. Ich traue mich bei Sportprojekten nicht mehr von hinten aufzutreten.
Auch Männerkommentare lesen sich manchmal beunruhigend: Könnten das die Täter sein? Es gibt ein gewisses Misstrauen, da es sich um Schweizer handeln könnte – und ich lebe hier. Das macht Angst.
Das Interview führte Lorena Wahrenberger.
SRF Regionaljournal, 21.4.2026, 12:03 Uhr