Im Berliner politischen Kreisen herrscht weitgehend Einigkeit: Der nächste Bundespräsident wird eine Frau sein, wenn Frank-Walter Steinmeier das Amt Ende Januar 2027 verlässt. Seit Theodor Heuss’ Amtsübernahme 1949 bestand die Ahnengalerie ausschließlich aus Männern. Eine Fortsetzung dieser Tradition scheint unwahrscheinlich.
Friedrich Merz, Bundeskanzler und CDU-Chef, äußerte sich positiv über eine weibliche Nachfolge, unterstützt von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Sie betonte die Wichtigkeit des Frauenanteils im höchsten Staatsamt als Zeichen für Gleichberechtigung. Dirk Wiese, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, befürwortet ebenfalls eine Frau in Schloss Bellevue.
Die Diskussion konzentriert sich auf mögliche Unionskandidatinnen, da CDU und CSU voraussichtlich die Mehrheit in der Bundesversammlung halten werden. Ilse Aigner, CSU-Politikerin und aktuelle Präsidentin des Bayerischen Landtags, gilt als aussichtsreich. Als ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin (2008-2013) und pragmatische Politikerin könnte sie auch Unterstützung von Grünen und Linkspartei erlangen.
Julia Klöckner, Bundestagspräsidentin und CDU-Politikerin, steht ebenfalls im Fokus. Ihre Rolle als zweithöchste Repräsentantin des Staates sowie ihr Streben nach parlamentarischer Fairness machen sie zu einem attraktiven Kandidatenprofil.
Monika Grütters, ehemalige Kulturstaatsministerin, wird ebenfalls genannt. Ihre Nähe zu Angela Merkel könnte jedoch bei Friedrich Merz für Spannungen sorgen.
Karin Prien, Bundesbildungsministerin und Jüdin, repräsentiert Vielfalt und kämpft gegen Antisemitismus. Ursula von der Leyen ist ein weiterer Name, wenngleich ihre Position als EU-Kommissionspräsidentin bis 2029 ihre Kandidatur kompliziert macht.
Obwohl viele Namen gehandelt werden, wird eine offizielle Nominierung erst nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sowie der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus erwartet. Diese Wahlen könnten die parteipolitische Zusammensetzung der Bundesversammlung beeinflussen, was die Chancen einer Kandidatin beeinträchtigen könnte.
Die Bundesversammlung besteht aus Mitgliedern des Bundestages und den Abgeordneten der Länderparlamente, die auch Persönlichkeiten aus Kunst und Gesellschaft einschließen. Jede Partei kann in dieser Versammlung eine Kandidatin oder einen Kandidaten vorschlagen.
Sollte es schwierig werden, breite Zustimmung für eine Kandidatin zu finden, hat die “Tageszeitung” (taz) einige humorvolle Alternativen aufgestellt. Unter den Vorschlägen finden sich Politikerinnen wie Malu Dreyer und Autorinnen sowie Schauspielerinnen wie Carolin Emcke und Anke Engelke.