Der Verteidigungsminister Boris Pistorius hat eine umfassende neue Strategie für die Bundeswehr vorgestellt, welche das Ziel verfolgt, diese zur stärksten konventionellen Armee Europas zu machen. Am Mittwoch präsentierte er mehrere Dokumente und Pläne, darunter die erste Militärstrategie der Bundesgeschichte, ein neues Fähigkeitsprofil sowie Maßnahmen für den personellen Ausbau und eine Reserve-Strategie. Eine Entbürokratisierungsagenda wurde ebenfalls vorgestellt.
Pistorius betonte, dass viele Details aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich gemacht werden können, da dies potenziell Bedrohungen wie Russland zugutekommen könnte. Die Strategie hebt hervor, dass Russland als primäre unmittelbare Gefahr für Deutschland und Europa angesehen wird. Neben konventionellen Konflikten erwähnt die Strategie auch hybride Angriffe, Cyberoperationen und Desinformation.
Die Bundeswehr soll bis Mitte des nächsten Jahrzehnts von rund 186.000 auf 260.000 aktive Soldaten wachsen, während die Reserve mindestens 200.000 Mitglieder umfassen soll. Die Rekrutierungszahlen sind positiv: Im Vergleich zum Vorjahr meldeten sich zehn Prozent mehr Interessierte. Um hohe Abbruchquoten zu kompensieren, werden gezielt mehr Soldaten als benötigt ausgebildet.
Qualität und technologische Fähigkeiten stehen im Mittelpunkt der neuen Strategie. So sollen alle Rekruten der Luftwaffe in Zukunft Drohnenpiloten werden. Die Bedeutung von Abstandswaffen, wie Marschflugkörper oder Hyperschallraketen, wird betont.
Bis 2039 soll die Bundeswehr technologisch überlegene Streitkräfte aufbauen – eine Herausforderung angesichts der dynamischen Entwicklungen in der Ukraine und den Forschungsanstrengungen von Großmächten wie den USA und China. Hierbei sollen neue Forschungseinrichtungen und die Kooperation mit der Industrie unterstützen.
Pistorius versicherte, dass die Strategiepapiere dynamisch bleiben und sich an verändernde sicherheitspolitische Bedingungen anpassen werden. Die Reserve soll ebenfalls gestärkt werden, wobei Reservisten in kritischen Infrastrukturen eingesetzt werden könnten.
Eine Entbürokratisierungsagenda soll den personellen Aufwuchs unterstützen, indem etwa künstliche Intelligenz Abläufe vereinfacht. Die Umsetzung der strategischen Ziele hängt entscheidend davon ab, ob die Bundesregierung aus diesen Plänen tatsächlich mehr Personal, schnellere Beschaffungen und robuste militärische Fähigkeiten generieren kann.