Miyu Sasaki, eine japanische Tischtennisspielerin, versucht mit aggressiven Schlägen den Roboter zu überlisten. Sie setzt auf hohe Spin-Bälle, die bis zu 100 Mal pro Sekunde rotieren und Geschwindigkeiten von über 70 km/h erreichen. Ein Fehler Sasaki’s – ein zu schwacher Schlag – ermöglicht dem Roboter einen Punktgewinn, da er den Ball fallen lässt. Der Vorfall fand im April 2025 statt; seitdem hat das Robotersystem ‘Ace’, entwickelt von Sony AI unter Leitung von Peter Dürr, seine Fähigkeiten kontinuierlich verbessert und mehrere Siege gegen professionelle Spieler gefeiert, einschließlich eines Sieges über Mayuka Taira im Dezember 2025 und über eine Top-25-Spielerin.
Tischtennis gilt als besonders anspruchsvoll in der Robotikforschung, da es schnelle körperliche Bewegungen erfordert. Bisherige Roboter von Google Deepmind konnten Amateurspieler besiegen, scheiterten jedoch gegen Spieler mit hoher Spin-Technik. Dürrs Team entwickelte daher ein System zur Messung der Ballrotation: Neun Kameras erfassen die Position und den Spin des Balls, unterstützt durch das Logo der Internationalen Tischtennis-Föderation auf jedem Ball.
Die Daten dieser Kameras fließen in zwei Algorithmen, die unterschiedliche Genauigkeitsgrade bei der Spin-Schätzung bieten. Der Roboter berechnet auf Basis dieser Informationen seine Schläge und passt seine Bewegungen an die präzisesten Daten an. Dürr betont, dass diese Berechnungen in Sekundenbruchteilen erfolgen und es dem Roboter ermöglichen, selbst bei schwierigen Bällen zu reagieren.
Der Roboter wurde komplett virtuell trainiert: Ingenieure erstellten eine detaillierte Simulation des Spielfelds und der physikalischen Eigenschaften. Mithilfe von Reinforcement-Learning entwickelte der Roboter im Simulator seine Fähigkeiten, indem er Ziele verfolgte und für erfolgreich zurückgespielte Bälle belohnt wurde.
Ein oft auftretendes Problem in der Robotik, das sogenannte Sim-to-Real-Gap, adressierte Sony durch die absichtliche Verschlechterung der Simulation, um Robustheit gegen ungenaue Daten zu entwickeln. Diese Strategie ermöglichte es dem Roboter, auch mit realen, weniger präzisen Daten erfolgreich zu agieren.
Robotikexperten wie Jan Peters von der Technischen Universität Darmstadt loben die technische Leistung als beeindruckend, sehen jedoch keine revolutionäre Neuerung. Sony’s umfangreiches Team und die erheblichen Ressourcen seien entscheidende Faktoren für den Erfolg. Dennoch könnten andere Anwendungen kaum von diesem Projekt profitieren.
Sony hat Geschichte geschrieben, indem es zeigt, dass Roboter auch in körperlich anspruchsvollen Sportarten bestehen können – ein Fortschritt im Vergleich zu bisherigen Errungenschaften in Präzisionssportarten wie Schach. Dieses Ergebnis könnte nun die Diskussion über den technischen Fortschritt in der Robotik in Politik und Wirtschaft anregen.