Paris und London haben sich darauf geeinigt, die irreguläre Einwanderung über den Ärmelkanal einzudämmen. Frankreich verpflichtet sich zur Verstärkung der Küstenpolizei um mehr als 50 Prozent, während Großbritannien finanzielle Mittel bereitstellen wird. Das neue Abkommen löst einen vorherigen Dreijahresvertrag über 508 Millionen Franken ab und beinhaltet bis zu 700 Millionen Franken britischer Unterstützung. Ein Viertel dieser Summe ist an die Wirksamkeit der Maßnahmen gebunden, die zusätzliche Patrouillen, Helikopter und Drohnen umfassen.
Nach monatelangen Verhandlungen haben beide Länder ihre Bemühungen intensiviert, um Migranten von gefährlichen Überfahrten abzuhalten. Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez betont die verstärkten Kontrollen und den Erfolg bei der Verhinderung zahlreicher Überfahrten. Präsident Emmanuel Macron weist darauf hin, dass nach internationalem Recht französische Kräfte verpflichtet sind, Menschenleben zu retten.
Das Vorgehen gegen sogenannte Taxi-Boote wird kontrovers diskutiert. Die Pläne sehen vor, diese Boote bereits vor dem Ablegen oder in Küstengewässern zu stoppen, wobei auch die Möglichkeit erwogen wird, ihre Motoren lahmzulegen. Menschenrechtsorganisationen warnen jedoch davor, dass solche Aktionen gefährlich sein könnten und Unglücke begünstigen können. Laut der Internationalen Organisation für Migration starben im letzten Jahr mindestens 29 Bootsflüchtlinge auf dieser Route.
In Großbritannien ist das Thema umstritten, wobei Nigel Farage von einer „Invasion“ spricht. Die Innenministerin Shabana Mahmood lobt den Vertrag als historisch und zielführend, während Kritiker der Labour-Regierung vorwerfen, sie gebe Geld ohne Bedingungen aus. Reform UK fordert eine Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Menschenrechtskonvention, um migrationspolitische Maßnahmen zu verschärfen. Flüchtlingsorganisationen warnen dagegen vor einer Brutalisierung bei der Migrationsabwehr und plädieren für die Bekämpfung der Ursachen von Flucht.