Magdalena Leitner beleuchtet die Diskussion um Europaflaggen in Zug, deren Geschichte bis zum Zweiten Weltkrieg zurückreicht und nichts mit der EU zu tun hat. Jedes Jahr stösst die Fahne mit zwölf gelben Sternen auf marineblauem Hintergrund im Kanton Zug auf Kontroversen, besonders in sozialen Medien wie Facebook. Die Diskussion entzündete sich an der Frage, warum diese Flagge neben Schweizer und Kantonsfahnen wehen darf, obwohl das Schweizer Stimmvolk mehrmals gegen einen EU-Beitritt stimmte.
Tatsächlich steht die Fahne nicht für die Europäische Union, sondern für den Europarat. Der Europarat schenkte der Stadt Zug diese Flagge als Anerkennung für ihre humanitäre Hilfe nach dem Krieg in Fürstenfeld, Österreich. Diese Unterstützung erfolgte durch das Aktionskomitee «Zug hilft Fürstenfeld», gegründet von Alois Hürlimann, einem Juristen aus Walchwil. Zwischen 1945 und 1948 sammelte die Aktion über 200 Tonnen Hilfsgüter für die zerstörte Stadt.
Die Schweiz ist seit 1963 Mitglied des Europarats, der in Strassburg ansässig ist und sich für Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einsetzt. Der Europarat verlieh Zug im Jahr 1966 seine Flagge als Dank für die Hilfeleistungen.
Die Stadt bestätigt, dass es acht Standorte in Zug gibt, an denen diese Fahnen wehen. Die SVP hatte vor fünf Jahren gefordert, dass sie entfernt werden sollten, da sie heute oft mit der EU assoziiert wird. Ein Stadtrat hatte bereits 2007 eine ähnliche Forderung gestellt.
Während einige Zuger die Flaggen als missverständlich empfinden, betont der Stadtrat, dass es sich um ein Zeichen der internationalen Beziehungen und Dankbarkeit handelt. Um Missverständnisse zu vermeiden, wurden 2021 Informationstafeln an den Standorten aufgestellt. Die Stadt Zug und Fürstenfeld haben bis heute ein Städtebündnis.
Quellen: Schriftlicher Austausch mit der Kommunikationsstelle der Stadt Zug, Facebook-Post, Webseiten des Zuger Stadtrats zu SVP-Vorstoßen 2020 und 2007.