Die Versorgung mit Ölprodukten wird in der Schweiz bis Ende Mai gewährleistet sein, jedoch bestehen beim Flugkraftstoff Unklarheiten. Infolge des Konflikts um die Hormusstraße suchen europäische Länder verstärkt nach Rohöl aus den USA als Alternative.
Die Blockade dieser wichtigen Seeroute durch den Iran-Konflikt hat auch in der Schweiz zu höheren Preisen für Treibstoffe und Flüge geführt, was die Angst vor gestörten Urlaubsplänen verstärkt. Die Wirtschaftliche Landesversorgung (WL) bestätigt seit Tagen, dass bis Ende April die Versorgung mit Mineralölprodukten gesichert ist. Ab Freitag stellt sich jedoch die Frage nach der weiteren Situation.
Für Benzin, Diesel und Heizöl gibt es laut WL auch im Mai eine sichere Versorgung. Bei Kerosin sind für die zweite Monatshälfte noch nicht alle Lieferungen bestätigt. Diese Ungewissheit könnte anhalten. Die aktuelle Lage ähnelt der Krise von 2022, als Russlands Angriff auf die Ukraine zu Energieengpässen führte.
Bei einer drohenden Ölknappheit wären vor allem Flug- und Straßenverkehr betroffen. Möglichkeiten zur Verbrauchsreduktion könnten sparsames Fahren oder Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel sein. Die WL könnte die Pflichtlager, die gesetzlich vorgeschrieben sind, freigeben: Diese reichen für Benzin, Diesel und Heizöl vier Monate und bei Kerosin drei Monate.
“Momentan besteht kein Grund zur Sorge,” betont ein Sprecher der WL. Die Privatwirtschaft ist zuständig für die Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern wie Mineralölen; erst wenn dies nicht mehr möglich ist, wird die WL aktiv. Aktuell sieht es jedoch nicht danach aus.
Die Suche nach alternativen Öllieferanten hält in Europa an. Eine Vielzahl leerer Tanker steuert derzeit auf die USA zu, um Rohöl zu beziehen. Die US-Exporte erreichten fast 12,9 Millionen Barrel pro Tag, wie die Energy Information Administration mitteilt.
Die Schweiz importierte laut Avenergy zuletzt etwa 54,5 Prozent ihres Rohöls aus den USA; Nigeria folgt mit einem Anteil von 36,9 Prozent. Die genaue Menge der in den letzten Monaten bezogenen US-Rohölimporte lässt sich nicht bestimmen, da es oft an Raffinerien in den Niederlanden oder Belgien geht.
Mehr Öl aus den USA könnte das Handelsbilanzdefizit mit den USA verringern. Roland Bilang von Avenergy sieht darin aber keine Chance, bei Zollverhandlungen zu punkten, da die Inlandraffinerie in Cressier schon lange Rohöl aus den USA bezieht. Im Jahr 2024 betrug der Wert dieser Importe rund 700 Millionen Franken.
Im Vergleich dazu steht ein US-Handelsbilanzdefizit gegenüber der Schweiz von 48 Milliarden, wodurch die Bedeutung eines solchen Betrags relativiert wird.