Die andauernde Blockade der Straße von Hormus könnte den amerikanischen Notenbank die Veranlassung geben, den Leitzins wieder zu erhöhen. Jerome Powell, der amtierende Fed-Chef, würde es womöglich begrüßen, dass sein Nachfolger diese Entscheidung treffen muss.
Obwohl sich die Auseinandersetzung zwischen dem Weißen Haus und der Notenbank entspannt hat – das Justizministerium hat eine Strafermittlung gegen Powell eingestellt –, steht das Fed vor einer Herausforderung. Im Gegenzug versprach der Senator Thom Tillis, seine Blockade gegen die Bestätigung von Powells Nachfolger Kevin Warsh aufzuheben, welcher nun am Mittwoch vom Senat bestätigt wird und sein Amt fristgerecht am 15. Mai antreten kann.
Powell steht vor der schwierigen Entscheidung, ob durch die erhöhten Ölpreise eine neue Inflationsspirale in den USA ausgelöst werden könnte, was höhere Zinsen erfordern würde und den Konflikt mit Präsident Trump neu entflammt. Obwohl ein Waffenstillstand im Iran besteht, bleibt die gegenseitige Blockade der Straße von Hormus bestehen, wodurch wichtige Ölvorräte fehlen.
Während einige Experten wie Robin Brooks von Brookings glauben, dass die Ölpreise nicht so stark steigen werden, argumentieren andere, dass eine Zunahme der Preise noch immer möglich sei. Jerome Powell und seine Kollegen müssen diese Debatte genau beobachten, da teureres Rohöl die Preise in den USA erhöht: Amerikaner akzeptieren bereits das über 4 Dollar kostende Benzin mit Unmut.
Powell betrachtet die Blockade als einen einmaligen Angebotsschock und plant, die Geldpolitik nicht anzupassen. Jedoch besteht die Gefahr, dass die Verbraucher ihre Inflationserwartungen erhöhen – eine Umfrage der Universität Michigan deutet darauf hin, dass sie für das kommende Jahr mit 4,7 Prozent rechnen.
Powell ist sich bewusst: Wenn sich langfristige Erwartungen entkoppeln, wird es schwierig, diese zu korrigieren. Eine Zinserhöhung könnte eine Rezession auslösen und den Konflikt mit Trump verschärfen.
Andere Fed-Mitglieder haben unterschiedliche Ansichten geäußert: Christopher Waller warnte davor, dass sich die Verbrauchergewohnheiten ändern könnten. Philip Jefferson und John Williams betonten auch Risiken für das Mandat der Fed – Preisstabilität und Arbeitslosigkeit.
Obwohl eine Zinserhöhung bei der kommenden Sitzung unwahrscheinlich ist, wird genau darauf geachtet, ob die Fed höhere Raten vorbereitet. Powell könnte seine Zukunftspläne klären; viele erwarten, dass er aus dem Konflikt mit dem Weißen Haus zurücktritt.
Powell könnte den Nachfolger Kevin Warsh mit der schwierigen Entscheidung überlassen, die wahrscheinlich einen neuen Streit mit Trump nach sich zieht. Wie auch immer Powell entscheidet: Die Versuchung, zukünftig aus sicherer Distanz zuzuschauen, ist groß.