In beliebten Ferienorten wie Grindelwald oder Luzern steigt der Druck auf die lokale Bevölkerung durch den zunehmenden Touristenansturm. Die Stadt Luzern verzeichnete im letzten Jahr mit 1,5 Millionen Logiernächten einen neuen Höchststand und übertrifft damit sogar Städte wie Venedig in Bezug auf Touristenzahlen pro Einwohner. Der Druck ist besonders an sonnigen Tagen spürbar, wenn die Stadt von Besuchern überrannt wird, während sich die Bewohner ihren Alltag mühsam erledigen müssen.
Inzwischen entfacht sich Widerstand gegen den Massentourismus. Seit März sammelt eine Interessengemeinschaft in Luzern Unterschriften für eine Volksinitiative, die die Anzahl der Hotelbetten auf dem aktuellen Stand einfrieren möchte. Die Initiative fordert, dass neue Hotels nur dann gebaut werden dürfen, wenn ein gleichwertiger Betrieb geschlossen wird. Obwohl das Abstimmungsdatum noch unklar ist, zeigt sich eine wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit dem Vorgehen der Tourismusbranche.
Luzern steht im Fokus des Widerstands gegen die Überfüllung durch Touristen. Bereits vor zehn Jahren machte das Schlagwort Overtourism hier erstmals auf sich aufmerksam, als es um den Umgang mit Reisebussen ging, die Massen an Touristen ins Stadtzentrum brachten. Die Entscheidung der Luzerner Bevölkerung im Jahr 2017 zur Aufhebung eines Carparkplatzes war ein symbolischer Akt gegen diese Entwicklung.
Neben dem Druck auf den Wohnungsmarkt, wo sich viele Einheimische die Mieten kaum mehr leisten können, sind auch Städte wie Bern und Lausanne von diesen Entwicklungen betroffen. Um dieses Problem zu bekämpfen, haben einige Orte Beschränkungen für Kurzzeitvermietungen eingeführt.
Obwohl der Tourismus eine wesentliche wirtschaftliche Rolle spielt, gibt es keine generell gegen den Tourismus gerichtete Haltung. Luzern profitiert seit über zwei Jahrhunderten vom Tourismus, und die Infrastruktur dient sowohl Einheimischen als auch Besuchern.
Aber mit der steigenden Touristenzahl nehmen auch die negativen Auswirkungen zu: Preiserhöhungen, Überfüllung des öffentlichen Nahverkehrs und Umweltverschmutzung. In Grindelwald beispielsweise hat sich die Anzahl der Touristen seit 2012 von 1,1 Millionen auf über 1,6 Millionen erhöht. Die Bevölkerung sieht sich zunehmend als Nebensache im eigenen Dorf.
Tourismusdirektoren und Schweiz Tourismus arbeiten daran, die Situation zu verbessern, indem sie die Besucherströme lenken und den öffentlichen Verkehr optimieren. Zudem werden Touristen mit Sensibilisierungskampagnen auf lokale Gepflogenheiten hingewiesen.
Schweiz Tourismus legt Wert darauf, die Interessen der Branche mit denen der Gastgebergemeinden in Einklang zu bringen. Es werden Initiativen gestartet, um ausländische Touristen für Schweizer Verhaltensregeln zu sensibilisieren und so das Konfliktpotenzial zu minimieren.