Experten erklären, ab wann viel Schlaf nicht mehr normal ist und wie medizinische Maßnahmen helfen können. Eine Leserfrage thematisiert die Situation einer Mutter, die trotz elfstündigen Nachtschlafs und Mittagsschlafes sich unausgeruht fühlt. Untersuchungen bestätigten normale Schilddrüsen- und Blutwerte, weshalb das erhöhte Schlafbedürfnis weiterhin unklar bleibt.
Christian Cajochen, Professor für Chronobiologie an der Universität Basel, erklärt, dass die meisten Menschen zwischen sechs und neun Stunden Schlaf benötigen. Abweichungen sind nicht immer pathologisch: Während einige mit fünf Stunden auskommen, benötigen Langschläfer bis zu elf Stunden. Trotzdem empfiehlt Cajochen bei Unausgeruhtheit trotz langer Schlafdauer den Gang zum Spezialisten.
Cajochen würde untersuchen, ob das erhöhte Schlafbedürfnis konstant oder saisonal ist, da eine verstärkte Müdigkeit im Winter auf eine saisonale Depression hinweisen könnte. Eine mögliche Ursache sei ein ineffizienter Langschlaf; er schlägt vor, die Schlafdauer experimentell zu verkürzen und einfache Maßnahmen wie Kaffee oder Bewegung an der frischen Luft auszuprobieren.
Zusätzlich könnte ein Schlaflabor helfen, eine bisher unbemerkte Schlafapnoe aufzudecken, die das Tagesbefinden beeinträchtigen kann. Johannes Mathis, emeritierter Schlafmediziner der Universität Bern, unterstützt diese Diagnosemethode und betont den Unterschied zwischen Müdigkeit und Schläfrigkeit: Während Schläfrigkeit durch Bewegung abklingt, bleibt Müdigkeit bestehen. Ein Schlaflatenztest misst die Einschlafdauer tagsüber und hilft bei der Diagnose.
Müdigkeit ist häufig psychisch bedingt, oft ein Zeichen für Depressionen. Daher arbeitet Cajochen eng mit Psychiatrie-Experten zusammen. Wenn keine anderen Ursachen gefunden werden, könnte idiopathische Hypersomnie in Betracht kommen – ein unbekanntes Bedürfnis nach übermäßigem Schlaf und anhaltender Tagesmüdigkeit.
In extremen Fällen wie der Narkolepsie treten plötzliche Einschlafattacken auf. Auch idiopathische Hypersomnie behandelt Mathis ähnlich: Medikamente wie Ritalin können die Tagesschläfrigkeit lindern, während Gamma-Hydroxybutyrat (GHB), bekannt als K.-o.-Tropfen, das Aufwachen erleichtert. GHBs kurze Wirkdauer führt zu einem ‘Entzugseffekt’, was früheres Aufwachen fördert.
Zur Unterstützung der Behandlung empfiehlt die Schweizerische Narkolepsie-Gesellschaft einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus und kurze, geplante Power-Naps.