Die Migros bietet Mungosprossen an, die auf der Verpackung ein Schweizerkreuz tragen. Allerdings zeigt eine genauere Betrachtung, dass das Saatgut aus China stammt. Der Könizer Andi A.* bezeichnet diese Praxis als «Etikettenschwindel». Seine Unzufriedenheit rührt daher, dass auf der Vorderseite des Produkts ein Schweizerkreuz zu sehen ist, während die Rückseite offenlegt, dass das Saatgut aus China kommt. Er fragt sich, inwiefern diese Sprossen «aus der Region» stammen könnten. Andi A. äußert auf Anfrage von Nau.ch seine Kritik: «Es ärgert mich als Konsument, dass nur ein kleiner Teil der Produktion in der Schweiz stattfindet und man es trotzdem als Schweizer oder regionales Produkt verkauft.» Er fordert das Entfernen des Schweizerkreuzes und des Labels «aus der Region», um Verbrauchern die Wahl zu erleichtern, Produkte nach eigenen ethischen Richtlinien auszuwählen.
Es gibt jedoch auch Lob für die Migros: Andi A. schätzt, dass sie transparent über die Herkunft des Saatguts informiert. Josianne Walpen vom Schweizerischen Konsumentenschutz erläutert auf Anfrage von Nau.ch, dass das Gesetz eine solche Deklaration nicht verlangt. «Das Lebensmittelgesetz schreibt es den Anbietern nicht vor, die Herkunft des Saatguts oder der Setzlinge anzugeben. Bei Schweizer Produkten wird das Saatgut oft aus dem Ausland bezogen», so Walpen.
Der Konsumentenschutz sieht in der Deklaration eine positive Entwicklung und bemängelt stattdessen die fehlende Transparenz bei verarbeiteten Produkten, insbesondere hinsichtlich der Herkunft ihrer Rohstoffe. Die Migros erkennt an, dass ihre Kennzeichnung zu Verwirrung führen kann und betont, dass der größte Teil des Produktionsprozesses in der Schweiz oder Region erfolgt. Nur das Saatgut kommt aus dem Ausland. Demnach sei die Kennzeichnung als «Swissness-Produkt» korrekt.
Die Migros weist zudem darauf hin, dass rund 50% des in der Schweiz verwendeten Saatguts aus dem Ausland stammt und viele Schweizer Gemüsearten auf importiertes Saatgut angewiesen sind. Durch die transparente Kennzeichnung können Konsumenten besser informierte Entscheidungen treffen.
Trotzdem nimmt die Migros die Kritik ernst und erwägt, die Verpackung anzupassen, um künftig noch klarere Informationen zu liefern.