Das Jahr 2025 war durch Waldbrände und überdurchschnittlich hohe Temperaturen in Europa geprägt. Auch im Meer wurden Rekorde gebrochen, da das Wasser vom Mittelmeer bis zur Arktis so warm wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen war. Dies markiert das vierte Jahr in Folge mit einem Temperaturrekord.
Der jüngste Bericht über den Zustand des europäischen Klimas bestätigt die Trends der letzten Jahrzehnte, so Thomas Frölicher, ein Klimaphysiker und Ozeanograf von der Universität Bern: “Die Meere erwärmen sich kontinuierlich, wobei das Mittelmeer als Klimaerwärmungsschwerpunkt heraussticht.”
Konkret bedeutet dies eine durchschnittliche Erhöhung der Oberflächentemperatur im Mittelmeer um 1,4 Grad Celsius seit 1980, mehr als doppelt so viel wie der weltweite Durchschnitt von 0,6 Grad Celsius.
Der Bericht zeigt auch, dass sich marine Hitzewellen im Mittelmeer in den letzten zehn Jahren von sporadischen zu jährlichen Ereignissen entwickelt haben und seit 2022 das gesamte Becken betreffen. “Nicht nur an der Oberfläche, sondern auch in tieferen Schichten des Meeres bleibt es wärmer”, erklärt Thomas Frölicher. Diese dauerhafte Wärme wird nicht mehr im Winter abgebaut, da die Erwärmung zur stärkeren Schichtung des Wassers führt: “Stürme können das Meer daher nicht mehr effektiv durchmischen.”, fügt er hinzu.
Frölicher prognostiziert, dass das Mittelmeer auch in diesem Jahr wieder überdurchschnittlich warm sein könnte. Bereits jetzt herrschen Rekordtemperaturen im Vergleich zum Vorjahresmonat April.
Diese signifikanten Abweichungen vom Durchschnitt sind nicht nur auf das Mittelmeer beschränkt, sondern betreffen auch andere Teile der Weltmeere und könnten nach Ansicht des Umweltphysikers Nicolas Gruber von der ETH Zürich zum neuen Normal werden. Die Ursache für die Erwärmung sind steigende Treibhausgaskonzentrationen; etwa 90 Prozent der durch menschengemachte Emissionen verursachten Wärme wurden von den Meeren aufgenommen. Mit weiter steigenden Emissionen wird auch die Erwärmung der Meere anhalten.
Diese Veränderungen haben erhebliche Folgen für Ökosysteme und Küstenregionen: Korallen, Schwämme und Seegras leiden unter den hohen Temperaturen. Die Menschen auf dem Festland spüren dies ebenfalls, da die warmen Wassermassen die nächtlichen Abkühlungen im Sommer verhindern. Im Mittelmeer sind zudem mediterrane Wirbelstürme, sogenannte Medicanes, intensiver geworden, so Gruber.
Nicht nur vor Ort, sondern auch in der Schweiz zeigen sich Auswirkungen des überhitzten Mittelmeers: Die höheren Wassertemperaturen führen zu mehr Feuchtigkeit und Energie in der Luft. Diese Luft strömt vom Mittelmeer aus Richtung Südschweiz und dient dort als wichtige Niederschlagsquelle.
Der Bericht beleuchtet die Klimawandelauswirkungen in ganz Europa, wobei sowohl hohe Meerestemperaturen als auch überdurchschnittlich warme Lufttemperaturen auf fast dem gesamten Kontinent verzeichnet wurden. Im Vergleich zum globalen Durchschnitt erwärmt sich Europa doppelt so schnell.
Besonders bei Staulagen am Südfuss der Alpen können starke Regenfälle auftreten. Aufgrund der erhöhten Temperaturen im Mittelmeer werden diese Starkregenereignisse intensiver, was die Überschwemmungsgefahr erhöht. “Zudem nimmt die Häufigkeit und Intensität von Hagel zu”, betont Nicolas Gruber. Das deutlich überwärmte Mittelmeer hat somit auch direkte Auswirkungen auf unsere Region.