Vor einem Jahr verließ Dariush, Softwareingenieur und Unternehmer, den Iran auf der Suche nach Sicherheit in Europa. Dies markierte bereits die dritte Abriegelung seiner Heimat von der internationalen Gemeinschaft innerhalb des letzten Jahres.
“Während des 12-Tage-Konflikts im Juni wurde das Internet abgeschaltet; später auch während der Januar-Proteste und nun besteht nur selten eine langsame Verbindung ins Ausland”, berichtet Dariush, der seinen wahren Namen aus Sicherheitsgründen nicht preisgibt.
Die Nutzung von Starlink-Satellitentechnologie für den Internetzugang birgt erhebliche Risiken, da das Regime solche Nutzer als Spione des CIA oder Mossad ansieht. “Das ist äusserst gefährlich und beängstigend”, so Dariush.
Telefonate sind lediglich ins Ausland möglich und teuer, was sie für ärmeren Familien unerschwinglich macht. Trotz Kriegsbeginns konnte er mehrfach mit seiner Familie in Teheran und Freunden im ganzen Land in Kontakt treten.
Dariush beschreibt ein Klima des Misstrauens unter den Menschen, das an die Stasi-Zeit in der DDR erinnert. Israelische und US-amerikanische Luftangriffe auf den Iran verschärfen die Bedrohungslage seit zwei Wochen. Laut iranischen Angaben sind über 1300 Zivilpersonen getötet worden.
“Die Menschen haben natürlich Angst! Die größte Gefahr: Trotz der Fähigkeit, Raketen gegen Israel abzufeuern, fehlen Warnsysteme und Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung. Es wird lediglich geraten, vorsichtig zu sein”, betont Dariush.
Trotz der Bombardierungen funktionieren grundlegende Versorgungsleistungen wie Benzin, Wasser, Strom und Lebensmittelversorgung weiterhin. Das nationale Internet ermöglicht offenere Diskussionen dank seiner Anonymität und zeigt die komplexe Gemengelage innerhalb der Bevölkerung.
“Die Menschen sind unschlüssig über ihre Zukunftshoffnungen. Sie bemühen sich, menschlich zu bleiben und wünschen sich einen Kriegsende. Doch was folgt danach? Ein islamisches Regime unter einem neuen Chamenei oder die Gefahr durch Bombenangriffe auf Teheran durch Trump und Netanjahu sind gleichermaßen beängstigend. Die Menschen fühlen sich machtlos und verwirrt, während sie hoffen, dass alles gut endet.
Doch was wäre ein gutes Ende? Dariush antwortet: “Ein freier Iran” – eine demokratische Nation, in der die Entscheidungen des Volkes alle vier Jahre korrigiert werden können. Wie dies erreicht wird, bleibt für ihn jedoch unklar.”