Ein gewaltiger Parkplatz im Osten von Cotonou gleicht einem Autoregal: Hier stapeln sich etwa 20’000 Autos jeglicher Art – Pkw, Lkws und Kleinbusse. Sie verbindet allesamt ein Schicksal: In Europa oder den USA sind sie unerwünscht, da sie entweder zu alt oder nicht mehr den Standards entsprechen. Ihr neues Leben sollen sie in Westafrika fristen.
Ein Verkäufer präsentiert stolz einen Toyota Corolla aus dem Jahr 2003, der zuletzt in Belgien gefahren war und 250’000 Kilometer auf dem Tacho hat. Für rund 3000 Franken ist er zu haben – eine günstige Option für Gebrauchtwagenliebhaber hier, da das Modell robust und reparaturfreundlich ist.
Interessant an diesem Corolla ist ein Zettel an der Windschutzscheibe mit dem Vermerk “Transit Niamey”, wie er auch auf vielen anderen Fahrzeugen zu finden ist. Niamey ist die Hauptstadt des Niger, ein Land, das nur wenige Tausend Autos jährlich importiert und dessen Grenze zum Benin seit Monaten wegen politischer Spannungen geschlossen bleibt.
Offiziell soll es sich um eine Methode handeln, Zollgebühren zu minimieren. Ein Verkäufer räumt ein: “Niamey als Ziel ist nur auf dem Papier – das erleichtert uns den Handel.”
Der wahre Bestimmungsort der meisten Fahrzeuge? Nigeria. Das Land mit über 200 Millionen Menschen ist der größte Käufer von Gebrauchtwagen in Afrika, obwohl es eigentlich den Import über Landwege verbietet und die Altersgrenze für Autos auf zwölf Jahre begrenzt.
Tatsächlich werden diese Verbote ignoriert. Die Zollgebühren in Benin variieren je nach dem behaupteten Ziel des Transports: Eine Transitpauschale von knapp 500 Franken entfällt, wenn man angibt, das Fahrzeug ins Nachbarland zu überführen.
Der Händler bestätigt die Leichtigkeit des Schmuggels: “Die Grenze passieren wir durch einen kleinen Kontrollposten und bezahlen eine geringe Gebühr. In Nigeria kümmert sich jemand um die offizielle Registrierung.”
“Transit Niamey” ist demzufolge oft nur ein Vorwand, um Schmuggel zu erleichtern. Dieses System profitiert von laxen Grenzkontrollen und Korruption.
Auffällig sind die vielen weißen Aufkleber mit der Kennzeichnung “CH”, sowie Nummernschilder aus Schweizer Städten wie Ebikon oder Kriens – Zeichen dafür, dass Schweizer Autos hier besonders gefragt sind.
Die genaue Anzahl an Schweizer Occasionen in Cotonou ist ungewiss. Die Zollstatistik zeigt jedoch, dass die Exporte nach Niger über 13’000 Stück in den letzten fünf Jahren umfassten – deutlich mehr als jene offiziell nach Nigeria.
Im Kontrast zu diesen Zahlen steht die Realität auf dem Parkplatz: Niamey ist ein Phantomziel, das den andauernden Fluss alter Autos aus Europa gewährleistet.