Die US-Justiz hat zehn derzeitige und ehemalige Amtsträger aus Mexiko angeklagt, darunter den Gouverneur von Sinaloa, Rubén Rocha Moya. Ihnen wird vorgeworfen, sich mit dem einflussreichen Drogenkartell Sinaloa verbündet zu haben, um Rauschgift in die Vereinigten Staaten zu schmuggeln. Der Prozess wird von Rocha Moya als politisch motiviert abgetan.
Die enge Verflechtung zwischen Politik und organisiertem Verbrechen in Mexiko ist laut SRF-Auslandredaktorin Anna Lemmenmeier offensichtlich. Die Anschuldigungen gegen Rocha Moya sind nicht neu, da ihm bereits länger Kontakte zur Kriminalität unterstellt werden. Er gehört der Regierungspartei Morena an, die von Präsidentin Claudia Sheinbaum geführt wird.
Die mexikanische Regierung hält sich mit Kommentaren zurück und erklärt, es fehle noch an Beweisen. Die Staatsanwaltschaft soll nun selbst ermitteln. Dennoch ist Präsidentin Sheinbaum in einer schwierigen Lage: Sie muss entscheiden, ob sie ihre Parteifreunde den USA überstellt oder sich gegen die Forderungen stellt und das Verhältnis zu ihrem wichtigsten Handelspartner belastet.
Die Beziehungen zwischen den USA und Mexiko sind seit Trumps zweiter Amtszeit angespannt. Trump hat Drogenkartelle als Terrororganisationen eingestuft, was die rechtliche Grundlage für Eingriffe auf mexikanischem Territorium schuf. Dies erhöht die Angst vor einer US-Militäraktion in Mexiko. Präsidentin Sheinbaum beharrt darauf, dass das Land souverän bleibe.
Anna Lemmenmeier beschreibt den Ansatz der USA im Kampf gegen Drogenkriminalität als inkonsistent: Trumps Politik ist oft laut und entschieden, doch die Taten folgen nicht immer. Der Fall des ehemaligen Präsidenten von Honduras, Juan Orlando Hernández, zeigt diesen Widerspruch: Obwohl er wegen Drogen- und Waffenhandels verurteilt wurde, hat Trump ihn begnadigt.