Die Anzahl der Anfragen bei der Beratungsstelle für Pädophilie hat sich verdoppelt, wie die Fachberaterin Barbara Beaussacq von «Beforemore» berichtet. Häufig wenden sich Männer an das Angebot, nachdem zu Hause eine polizeiliche Durchsuchung stattgefunden hat und Missbrauchsdarstellungen gefunden wurden. Dies geschieht oft im Kontext einer familiären Krise.
Der Fall eines Kita-Mitarbeiters in Winterthur ZH und Bern, der mutmaßlich 15 Kinder missbraucht haben soll, verdeutlicht die Dringlichkeit dieser Problematik. Beaussacq betont: «Prävention ist nie hundertprozentig effektiv, da Pädophilie oft tabuisiert wird.»
In der Deutschschweiz hat sich die Nachfrage nach Beratung im Jahr 2025 mehr als verdoppelt, mit über 80 Anfragen von Männern, die eine sexuelle Präferenz für Kinder und Jugendliche haben. Die Profile dieser Männer sind vielfältig: Sie reichen vom Hilfsgärtner bis zum ETH-Ingenieur und umfassen alle Altersgruppen.
Beaussacq beschreibt den Konsum von Kinderpornografie als eine in den letzten Jahren stark angestiegene Epidemie. Diese Inhalte sind heute leichter zugänglich, da sie nicht mehr nur im Darknet zu finden sind, sondern auch auf Plattformen wie TikTok, Instagram und Facebook sowie über Game-Chats geteilt werden.
Laut Studien ist der Konsum von Kinderpornografie nicht ausschließlich mit Pädophilie verbunden. Oft spielt Sadismus oder die Faszination des Verbotenen eine Rolle. Viele Männer leiden unter Beziehungsproblemen, psychischen Belastungen oder Unsicherheiten in ihrer Sexualentwicklung.
Täter neigen dazu, ihren Konsum zu minimieren und ihn als harmlos abzutun. Nach einer Verurteilung drohen Busse oder Haftstrafen sowie möglicherweise eine Therapieanordnung. Ein berufliches Tätigkeitsverbot ist häufig die Folge, doch Beaussacq fordert strengere Kontrollen auch im privaten und ehrenamtlichen Bereich.
Die Gesellschaft muss klare Regulierungen für soziale Medien einführen und den Zugang zu solchen Inhalten rigoros unterbinden. Beaussacq betont: «Es ist entscheidend, dass wir als Gesellschaft ein klares Nein zu sexuellen Übergriffen an Kindern aussprechen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.»