Die Jury der renommierten Kunstbiennale in Venedig hat sich entschlossen, geschlossen zurückzutreten, nur wenige Tage vor dem geplanten Start. Die Preisverleihung soll nun im November erfolgen.
(dpa) Seit Monaten ist die Biennale von Streit um Russlands Teilnahme trotz des Krieges gegen die Ukraine geprägt. Der internationale Jury, bestehend aus den Mitgliedern Oliveira Farks, Zoe Butt, Elvira Dyangani Ose, Marta Kuzma und Giovanna Zapperi unter der Leitung von Präsidentin Farks, wurde vorgeworfen, Russland und Israel bei der Preisvergabe auszuschließen. Eine detaillierte Erklärung zu ihrem Rücktritt gaben sie jedoch nicht ab.
Die Ausstellung, die sechs Monate dauern wird, öffnet offiziell am kommenden Samstag ihre Tore, doch Fachleute können die Pavillons bereits im Vorfeld besichtigen. Unklar bleibt, ob die Jury zum Rücktritt gezwungen wurde. Italienische Regierungsvertreter, darunter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Kulturminister Alessandro Giuli, hatten bereits angekündigt, der Eröffnung fernzubleiben.
Die Biennale-Verantwortlichen kündigten an, dass die Goldenen Löwen erst am letzten Tag der Ausstellung vergeben werden. Zudem sollen zwei „Besucherlöwen“ eingeführt werden, bei denen das Publikum über die Gewinner abstimmt und dabei auch russische sowie israelische Beiträge berücksichtigt werden.
Zuvor hatte die Jury angekündigt, keine Staaten für Preise zu berücksichtigen, deren Führungskräfte beim Internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt sind. Dies hätte Russland und Israel betroffen gemacht.
Russische Künstler, in Verbindung mit der Regierung stehend, sollen heuer den Pavillon gestalten – ein umstrittenes Vorhaben, das zu EU-Drohungen hinsichtlich Fördergelder führte. Andere Veranstaltungen wie die Filmfestspiele sind von dem Konflikt nicht betroffen.