Valeria Wieser beleuchtet in ihrem Kommentar die tiefer liegenden Bedenken, die sich hinter dem Begriff der Standortattraktivität verbergen. Diese Diskussion wurde am Donnerstag im Kantonsrat geführt und drehte sich um ein Darlehen für die International School.
«Standortattraktivität» hat sich in den letzten Jahren als Schlüsselbegriff etabliert, vor allem durch seine häufige Verwendung in Berichten des Zuger Regierungsrats. Dieser Ausdruck rechtfertigt unter anderem die Förderung internationaler Unternehmen mit speziellen Steuerbedingungen seit der OECD-Steuer-Einführung sowie die Notwendigkeit weiterer Steuersenkungen. Auch für die Unterstützung der International School mit einem 15-Millionen-Darlehen wird er herangezogen. Für mich ruft dieser Begriff jedoch vor allem Unbehagen hervor.
Die Debatte über das Darlehen, welches 15 Millionen Franken umfasst, verzinst mit 0,75 Prozent und maximal über 20 Jahre zurückgezahlt werden muss, offenbart eine tiefere Diskrepanz im Kanton Zug. Mit nur einem knappen Abstand von 38 zu 34 Stimmen beschloss der Kantonsrat die Angelegenheit voranzutreiben. Diese Entscheidung spiegelt wider, dass viele Parlamentarier zwar einerseits Bedenken gegenüber den finanziellen Manövern des Kantons haben, andererseits aber anerkennen, dass die Schule eine wichtige Rolle in der Bildungslandschaft spielt und damit auch zur Vermeidung von zusätzlichen Belastungen für Volksschulen beiträgt.
Ein Teil der Debatte drehte sich darum, wer letztlich vom Darlehen profitiert. Der Regierungsrat sieht die Schule als unverzichtbaren Bestandteil des Kantons, der zur Anziehung von Firmen und somit zum wirtschaftlichen Wachstum beiträgt. Trotzdem widerspricht ein Teil der Parlamentarier massiv der Vorstellung eines 15-Millionen-Darlehens für eine Privatschule, die sich in einer eigenen Blase bewegt und wenig mit dem Kanton interagiert.
Die Sorge wächst bei mir als im Kanton Zug aufgewachsener Mensch, da ich beobachte, wie der Mittelstand zunehmend vernachlässigt wird. Laut einem Bericht von «SRF» verlassen jährlich etwa 4000 Personen den Kanton aufgrund hoher Mieten.
Es ist unangenehm zu bemerken, dass sich die Sprache im Alltag ändert und Freunde wegen steigender Lebenskosten umziehen müssen. Die Politik scheint Standortattraktivität über alles andere zu stellen, während wirkliche Lösungen ausbleiben. Während der Regierungsrat nach weiteren Anreizen für Steuerzahler sucht, suchen viele Bewohner des Kantons Zug in benachbarten Gemeinden nach erschwinglichem Wohnraum.