André Lüthi, Verwaltungsratspräsident der Globetrotter Group und Leiter des Politikressorts beim Schweizer Reiseverband, äußert sich zur aktuellen Lage in der Reisebranche. Der 63-jährige gebürtige Freiburger, der seit Jahrzehnten reist, analysiert die Auswirkungen der Krise im Nahen Osten und der Kerosinmangel auf das Verhalten von Touristen.
Laut Lüthi verzeichnet die Branche im April einen Rückgang bei den Neubuchungen um zehn bis zwanzig Prozent. Viele Reisende warteten ab, bevor sie Fernreisen buchten. Die Nutzung großer Drehkreuze in der Golfregion ist eingeschränkt, was zu Platzverknappung und höheren Flugpreisen führt.
Das EDA rät weiterhin von Reisen in die Golfstaaten ab, was Lüthi kritisiert. Er fordert präzisere Empfehlungen, die zwischen einem Landaufenthalt und einem Transit am Flughafen unterscheiden. Obwohl das EDA Kunden vor plötzlichen Annullierungen schützen möchte, stellt sich für Lüthi die Frage, ob dies wirklich dessen Aufgabe sei.
Der Iran-Konflikt verändert auch die Reiseziele der Schweizer: Eine Zunahme an Buchungen wird für skandinavische Länder, Irland und Island erwartet. Vor allem Island könnte im Sommer überfüllt sein. Fernreisen werden vermehrt in Namibia, Botswana und Südamerika gebucht.
Lüthi hofft auf eine nachhaltige Veränderung im Reiseverhalten: weniger Kurztrips, dafür tiefere Einblicke in ein Land. Die Reisebranche steht vor der Herausforderung, Kunden zu einem bewussteren Reisen zu beraten.
Das Gespräch führte Simone Hulliger.
Tagesgespräch, 30.04.2026, 13 Uhr