Die Meerenge bei Singapur ist von noch größerer Bedeutung für den internationalen Schiffsverkehr als die Einfahrt in den Persischen Golf. Jeden Tag passieren hier Hunderte von Schiffen. Eine Blockade würde China erheblich treffen.
Von einem Flughafen überblickt, zeichnet sich das Bild durch eine dauerhafte Präsenz von Schiffen aus: Tanker, Frachter und weitere Schiffe säumen die Strasse von Malakka. Diese verbindet den Indischen Ozean mit dem Pazifik und ist somit ein zentraler Knotenpunkt für den Handel zwischen Ostasien, dem indischen Subkontinent, dem Nahen Osten, Afrika und Europa. Ihre schmalste Stelle bei Singapur misst nur 3 Kilometer Breite.
Ein anonym bleibender Sicherheitsexperte einer global agierenden Reederei in Asien-Pazifik äußert sich besorgt über das Risiko einer Blockade der Meerenge. Ein denkbares Szenario: Im Falle eines chinesischen Vorgehens gegen Taiwan könnten die USA eine Gegenblockade errichten, um China von Öl aus dem Nahen Osten abzuschneiden.
Derzeitige Probleme in der Strasse von Hormuz zeigen die globalen Risiken einer solchen Blockade. Obwohl Alternativen wie die Sunda- oder Lombok-Straße existieren, sind sie mit erheblichen Nachteilen verbunden: längere Strecken und unzureichende Infrastruktur für große Containerschiffe.
Ja-Ian Chong von der National University of Singapore hebt hervor, dass die Dienstleistungen in Singapur einen entscheidenden Vorteil darstellen. Die US-Navy könnte zwar eine Blockade an alternativen Routen durchführen, müsste jedoch Ressourcen umverteilen.
Die USA unterhalten in Singapur eine logistische Präsenz, allerdings ohne stationierte Kampfschiffe. Trotzdem ist die enge Verbindung zu den USA aus chinesischer Perspektive besorgniserregend, da Peking befürchtet, dass Singapur im Konfliktfall auf die Seite der USA treten könnte.
Singapur bemüht sich um eine neutrale Position zwischen Sicherheitspartner USA und Handelspartner China. Chinas Bemühungen seit 2003 zielen darauf ab, Abhängigkeiten von der Strasse zu verringern, doch eine vollständige Unabhängigkeit ist noch nicht erreicht.
Indien könnte im Streit um Himalaya-Grenzen als weiterer Faktor auftreten. Trotz verstärkter Präsenz auf den Andamanen und Nikobaren bleibt fraglich, ob Indien eine effektive Blockade durchsetzen könnte.
China selbst könnte versucht sein, Seeverkehr zu stören, um amerikanische Kräftebewegungen zu erschweren. Die Militarisierung von künstlichen Inseln im Südchinesischen Meer verhindert eine unbemerkte Passage der US-Navy, was das Risiko eines Konflikts erhöht.