Seit sieben Monaten verübt das US-Militär Angriffe auf Fischerboote in der Karibik und dem Pazifik, wobei 182 Menschen ums Leben kamen. Im April hat die Zahl der Attacken deutlich zugenommen: In nur acht Tagen gab es achtmal Schiffsversenkungen, wie Adam Isacson von der Nichtregierungsorganisation WOLA feststellt. Bisher wurden keine Beweise vorgelegt, dass Drogen oder Mitglieder terroristischer Gruppen an Bord waren. Trotz der Versenkungen nahm die Kokainbeschlagnahme durch den Grenzschutz nicht ab.
Die Massnahmen sind laut Isacson illegal: Selbst wenn es sich um einen Krieg handeln würde, wäre das Angriffen auf Zivilisten ungesetzlich. Die Regierung behauptet, dass die Betroffenen Mitglieder terroristischer Gruppen seien. Doch ohne Beweise und ohne eine formelle Kriegserklärung oder Ermächtigung durch den Kongress handelt es sich nicht um einen Krieg, sondern um Sicherheitsoperationen, bei denen Tötungen verboten sind.
Auf den Videos der Angriffe ist kein direkter Schusswechsel sichtbar; vielmehr werden die Boote mit Drohnen in Brand gesetzt. Isacson vergleicht dies mit aussergerichtlichen Hinrichtungen, ähnlich wie ein Polizist einem flüchtenden Verdächtigen ins Rücken feuert. Diese Praxis ist kein Novum: Ähnliche Vorfälle gab es bereits im Irak, Afghanistan und Somalia. Kriegsminister Hegseth wird eine kritische Haltung zu Menschenrechten vorausgesagt; er setzte sich einst für die Begnadigung von US-Soldaten wegen Kriegsverbrechen ein.