Ilja Remeslo, einst als Propagandist für den Kreml tätig, überrascht mit harscher Kritik an Präsident Putin. Seine Aussagen auf Telegram lösen bei Anhängern des Regimes Unbehagen aus. Seit Internet-Sperren in Moskau und die Blockade von Telegram sind auch loyale Bürger unzufrieden.
Der Jurist, der als Blogger gegen den ermordeten Alexei Nawalny agitierte, überrascht nun mit seinem Bruch. Er verurteilt Putins Kriegsführung in der Ukraine und kritisiert die wirtschaftlichen Folgen sowie die Einschränkung des Internets. Remeslo fordert im Telegram-Beitrag: „Wladimir Putin ist kein legitimer Präsident. Wladimir Putin sollte zurücktreten und als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden.“
Seine radikale Haltung sorgt für Ratlosigkeit unter Freunden und Feinden. Einige vermuten einen Nervenzusammenbruch, andere sehen finanzielle Motive oder eine Provokation.
Remeslo berührt wunde Punkte der Gesellschaft, die von den Auswirkungen des Kriegs in Russland genug hat und ein Ende erhofft. Der Kreml ignoriert diese Stimmung. Die Mehrwertsteuererhöhung und Internetbeschränkungen verschärfen die Unzufriedenheit.
In Moskau kam es zu umfassenden Internetsperren, begründet mit Drohnenabwehr. Doch fehlen Belege für solche Angriffe. Die Situation in Iran könnte den Kreml beeindruckt haben und die Wahrnehmung der Überwachungsinfrastruktur verändert haben.
In Moskaus Stadtzentrum war das mobile Internet zeitweise ausgeschaltet, auch stationäres WLAN funktionierte nicht mehr. VPNs halfen wenig gegen die Blockade von Diensten wie WhatsApp und Telegram.
Die Abschaltung des Internets betrifft alle Russen gleichermaßen. Die geplante vollständige Blockierung von Telegram am 1. April wird in den Kanälen der Kriegsbefürworter als Regierungsverschwörung gedeutet. Telegram ist wichtig für Kommunikation und Spendenaktionen im Ukraine-Krieg.
Der vom Staat propagierte „Max“ gilt selbst Beamten als unsicher. Putins Sprecher Dmitri Peskow beklagt den Verlust der westlichen Öffentlichkeit. Die Politologin Jekaterina Schulman sieht darin einen Realitätsverlust des Regimes und eine Gefahr für dessen Machterhalt.
Auch die unerklärte Schlachtung von Vieh auf sibirischen Bauernhöfen hat zu Protesten geführt. Diese Maßnahmen spiegeln eine Führung wider, die die Kommunikation mit der Bevölkerung vernachlässigt und an deren Anpassungsfähigkeit rüttelt.