Marsberg, eine kleine Stadt im Sauerland, hat plötzlich weltweite Aufmerksamkeit erlangt. Der Grund: Aussagen von Bundeskanzler Friedrich Merz an einer Europaschule haben bis nach Washington Echos gefunden und Präsident Donald Trump in Rage versetzt. Merz hatte offen gesagt, dass die USA im Iran-Konflikt keine klare Strategie verfolgen und der Iran mit Verhandlungen oder deren Verweigerung eine Nation demütige.
Trump reagiert empfindlich und schlägt auf seiner Social-Media-Plattform heftig zurück. Er beschuldigt Merz, “keine Ahnung” zu haben, und behauptet fälschlicherweise, Merz wolle den Iran bei der Entwicklung von Atomwaffen unterstützen. Trumps Ärger scheint zudem dadurch verstärkt worden zu sein, dass iranische Propaganda die Äußerungen Merz’ ausgiebig in Radio und Fernsehen verbreitet.
Trump hat nun seine Drohung wahr gemacht: Er kündigt den Abzug von 5000 der etwa 39.000 auf deutschem Boden stationierten US-Soldaten an. Dies scheint als Vergeltung für Merz’ Kritik gedacht zu sein, die zeigt, dass das Zurückhalten eigener Gedanken keine Stärke des Kanzlers ist.
Merz’ Bemerkungen allein haben jedoch wahrscheinlich nicht den Ausschlag gegeben. Trump kritisiert schon länger seine Nato-Partner für deren Haltung im Iran-Konflikt und könnte durch ein Telefonat mit dem russischen Präsidenten Putin zu einer harten Linie bewegt worden sein.
Ein Rückzug der US-Militärpräsenz in Deutschland, der Putin gefallen dürfte, hat weitreichende Folgen. Die Militärstützpunkte dienen nicht nur als Abschreckung, sondern sind auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: In Standorten wie Ramstein und Stuttgart geben hochbezahlte US-Militärs Geld aus, und tausende Deutsche arbeiten bei den Streitkräften. Ein Abzug oder eine Umsiedlung würde hohe Kosten verursachen und das US-Militär vor Herausforderungen stellen.
Die Strafaktion Trumps, sollte sie umgesetzt werden, könnte auf beiden Seiten nur Verlierer hervorbringen.
Alexandra Gubser ist seit Sommer 2022 Deutschland-Korrespondentin von SRF. Sie berichtete zuvor aus Frankreich und arbeitet seit 2007 für das Unternehmen als Produzentin, Redaktorin und Reporterin der “Tagesschau”. Davor war sie bei Medien wie “TeleZüri” oder “Radio 24” tätig.
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