Inmitten der hitzigen Debatte über die Zuwanderungspolitik hält Bundesrat Beat Jans mehr öffentliche Reden als je zuvor. Doch was genau vermittelt er dabei und kann er sich von seiner Rolle als umstrittener Asylminister emanzipieren? Kurz nach seinem Amtsantritt sang der damals frisch gewählte Bundesrat Bob Marleys “Redemption Song” in Basel. Auch heute strebt Jans nach Erlösung aus den politischen Turbulenzen.
In sechs Wochen entscheidet die Schweizer Bevölkerung über die SVP-Initiative zur Begrenzung der Einwohnerzahl auf zehn Millionen. Scheitert diese, droht die Kündigung der Personenfreizügigkeit mit der EU. Die Initiative argumentiert mit negativen Folgen des Wachstums wie Verkehrskongestionen und Baustellenfluten – Kritikpunkte, denen alle anderen Parteien und der Bundesrat entgegentreten.
Beat Jans, Justizminister, hat die schwierige Aufgabe, das Regierungsargument zu kommunizieren. Als jemand mit gesunkenen Beliebtheitswerten und eingeschränkter Einflussnahme scheint ihm diese Rolle besonders schwerzufallen. Nachdem er sich als Basler Regierungsratspräsident für die bilateralen Verträge mit der EU stark gemacht hat, sieht er nun eine Chance zur Selbstverortung.
Jans ist in einer Abstimmungskampagne unterwegs und spricht fast wöchentlich über das Thema Zuwanderung. Bei einem Auftritt in Schaffhausen beschwört er die Bedeutung der Grenzregionen und zitiert eine elsässische Dichterin, um die europäischen Verbindungen zu betonen. Sein Versuch, Lyrik in die Debatte einzubringen, stößt auf gemischte Reaktionen.
Als ein Zuhörer Jans zur früheren Kontingentpolitik befragt und ihn angreifend beschuldigt, Angst zu verbreiten, zeigt sich der Bundesrat hilflos. Er gibt eine ausweichende Antwort über die Ineffizienz des alten Systems.
Nach dem Abend in Schaffhausen erkennt Jans, dass er klarer aufzeigen muss, was die Personenfreizügigkeit bedeutet und welche Vorteile sie bringt. Trotz der emotionalen Ausrichtung der Debatte bleibt er sachlich.
Bei einer Medienkonferenz überschreitet Jans möglicherweise Grenzen des Erlaubten, indem er externe Gäste einlädt – eine Praxis, die vor ihm bereits angewandt wurde. Seine neuen rhetorischen Fähigkeiten zeigt er in Bern bei einem Treffen der Gewerkschaften, wo sein Vortrag klarer und direkter wirkt.
In Lenzburg spricht Jans vor dem Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband. Mit persönlichen Geschichten und Warnungen versucht er die Bedeutung von Zuwanderung für die Landwirtschaft zu unterstreichen, scheitert jedoch daran, das Publikum vollends von einem Nein zur Initiative zu überzeugen.
Immer wieder bemüht sich Jans um Humor, Nachdenklichkeit und Überzeugungsarbeit. Doch der Druck führt dazu, dass er sich verkrampft. Nach dem Auftritt wirkt er gestresst und ungeduldig gegenüber den Fotografinnen.
Jans’ Kampagne ist ein Balanceakt zwischen Information, Überzeugung und persönlicher Darstellung, während die Umfragen für seine Gegner sprechen.