Die Beliebtheit von Ultraleicht-Ausrüstung im Wandersport nimmt zu, doch nicht alle Aspekte sind vorteilhaft. Diese Entwicklung geht auf die Ultralight-Thru-Hiker zurück, die jedes Gramm ihrer Ausrüstung reduzieren. Der Trail-Running-Trend hat das Konzept des Leichtwanderns weiter verbreitet.
Die Branche reagiert mit einer Vielzahl von UL-Ausrüstungen, die häufig teurer und weniger haltbar sind. Severin Karrer vom SAC und der Outdoor-Händler Transa haben wichtige Kaufkriterien identifiziert, nachdem sie eine solche Ausrüstung gewogen hatten.
Ein Ultraleicht-Rucksack lohnt sich nur in Kombination mit anderem leichtem Gepäck. Diese Rucksäcke sind rahmenlos und übertragen das Gewicht daher schlechter auf die Hüfte, was eine passende Trägerbreite essentiell macht, um Druckstellen zu vermeiden.
Für die Musterausrüstung wurde der Agilist von Weitläufer ausgewählt. Der 590-Gramm-Rucksack bietet breite Träger und viele Außentaschen. Aufgrund seiner Beliebtheit wird aktuell eine neue Serie produziert, wobei Interessierte sich auf Wartelisten eintragen können.
Die Wahl der richtigen Schuhe hängt von den geplanten Touren ab. Severin Karrer empfiehlt stabile Vibram-Sohlen, während Transa auch Trailrunning-Schuhe als geeignet sieht. Ein guter Trainingszustand ist entscheidend, da der Fuß weniger gestützt wird.
Ein Mittelweg sind Leichtwanderschuhe, die mehr Stabilität bieten, jedoch nicht so langlebig wie schwere Ledermodelle sind. Der Mammut Ducan II High GTX mit Vibram-Sohle kommt in die Ausrüstung und ist für höhere Lagen geeignet. Pro Schuh: 568 Gramm.
Das Zwiebelprinzip sorgt dafür, dass man bei langen Wanderungen warm bleibt: Feuchtigkeitsleitende Materialien transportieren den Schweiß weg, während die äußere Schicht Regen und Nässe abhält. Eine Isolationsschicht verhindert das Auskühlen.
Daunenjacken sind hierfür ideal, da sie ein exzellentes Verhältnis von Gewicht, Packmaß und Isolation bieten. Die Wärmeleistung hängt von der Bauschkraft ab, ausgedrückt im Cuin-Wert. Beim Kauf sollte man auf das RDS-Zertifikat achten, um Tierwohl zu fördern.
In die Testausrüstung kommt die Plasma 1000 Down Jacket des japanischen Labels Montbell mit einer Bauschkraft von 1000 Cuin und einem Gewicht von nur 138 Gramm. Diese Jacke erfordert jedoch Vorsicht bei Kontakt mit schroffem Fels und sollte nicht nass oder stark komprimiert werden.
Eine Regenjacke sollte eine hohe Wassersäule mit guter Atmungsaktivität kombinieren. UL-Jacken sind weniger robust, da sie dünner ausfallen. Die Rain-Motion-Jacket von Berghaus wiegt 270 Gramm und ist vielseitiger als spezialisierte Modelle.
Auf der Haut wird das 105-Gramm-T-Shirt 120 Cool Tec MTN Stripes von Ortovox getestet, ein Merino-Lyocell-Mix, der Feuchtigkeit ableitet. Für die Hosen entscheidet man sich für die Runbold IV Pants von Mammut mit einem Gewicht von 268 Gramm.
Beim Zubehör ist Beschränkung wichtig. Severin Karrer rät zu einem Classic SD Taschenmesser von Victorinox (21 Gramm), das eine Schere und Pinzette enthält. Faltstöcke aus Carbon sind bei langen Abstiegen hilfreich; gewählt wird der leichtere Skytera FX.ONE von Leki, mit 163 Gramm pro Stock.
Wasser ist oft schwerster Gepäckteil. Filtersysteme können hier Gewicht sparen und eignen sich je nach Tour unterschiedlich. Die BeFree AC 1.0L Flasche von Katadyn wiegt nur 63 Gramm und filtert Gerüche sowie Bakterien.
Zum Schluss der Hüttenschlafsack: Seide ist ideal wegen ihrer Temperaturregulierung, Leichtigkeit und Hautfreundlichkeit. Der Cocoon Travel Sheet wiegt 160 Gramm.
Insgesamt kommt die Ausrüstung auf ein Gewicht von 3077 Gramm, ohne Unterwäsche, Proviant und Wechselkleidung. Die Produkte wurden der «NZZ am Sonntag» zur Verfügung gestellt.