Sabastian Sawe aus Kenia wurde der erste Mensch, der einen Marathon in unter zwei Stunden lief. Dieser Durchbruch war das Ergebnis einer langen und komplexen Entwicklung. Ein wesentlicher Antrieb kam von Yannis Pitsiladis, einem Forscher an der Universität Glasgow, der ursprünglich die genetischen Grundlagen für Fettleibigkeit bei Kindern untersuchte, aber sich später intensiv dem Hochleistungssport widmete. Nachdem er sein Haus verpfändete und sogar vorübergehend von einem indischen Restaurant gesponsert wurde, verkündete Pitsiladis 2014: “Gebt mir 30 Millionen Dollar, und ich reisse die Zwei-Stunden-Mauer ein.” Sein Projekt, genannt «Sub2», zielte darauf ab, den Marathonrekord innerhalb von fünf Jahren zu brechen. Der damalige Weltrekord lag bei 2:02:57, und Pitsiladis’ Idee wurde zunächst belächelt.
Er plante, die Rekordjagd am Toten Meer durchzuführen, wo aufgrund der hohen Sauerstoffmenge in der Luft optimale Bedingungen herrschen. Der Marathon sollte topfeben verlaufen und vor Wind geschützt werden. Auch Eliud Kipchoge wurde als einer der möglichen Rekordbrecher genannt.
Kipchoge, der sich 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro zum König des Marathons krönte, war später Teil von Nikes «Breaking 2»-Projekt. Im Mai 2017 starteten drei Athleten auf einer Formel-1-Strecke in Monza mit einem Tesla als Windschutz. Obwohl der Versuch keine offizielle Anerkennung fand, erregte er weltweites Aufsehen.
Kritiker bemängelten, dass das Ziel von «Breaking 2» eher die Werbung für den neuen Laufschuh Vaporfly war, der Kipchoge beim Olympiasieg trug. Der Schuh sollte laut Nike die Laufökonomie um 4 Prozent verbessern und wurde kurz nach dem Experiment vermarktet.
In den Folgejahren zeigte sich, dass Athleten mit einem Vaporfly im Vorteil waren. Dies führte sogar dazu, dass Herpasa Negasa ein von Nike gesponsertes Modell kaufte und seine Bestzeit um fünfeinhalb Minuten verbesserte.
Nike hatte die Laufschuhentwicklung revolutioniert, indem sie eine Carbonplatte mit reaktivem Schaum integrierten. Studien bestätigten, dass diese Schuhe nicht nur Spitzensportler, sondern auch Hobbyläufer schneller machen.
Während Nike von der Monza-Veranstaltung profitierte, kündigte Jim Ratcliffe von Ineos 2019 die «Ineos 1:59 Challenge» an. Im Praterpark in Wien wurde ein flacher Rundkurs angelegt, auf dem Kipchoge am Ende mit einer Zeit von 1:59:40 Stunden erfolgreich war.
Yannis Pitsiladis äußerte sich kritisch über diese Art der Rekordjagd und betonte die Bedeutung des Sports. Die Debatte um den Einfluss der Technologie auf den Sport bleibt kontrovers. Während Nike einen Entwicklungssprung erreichte, folgten Konkurrenten wie Puma und Adidas mit eigenen Innovationen.
Sabastian Sawe brach am 26. April 2026 in London die Zwei-Stunden-Marke in 1:59:30, getragen von einem neuen Adidas-Modell Adizero Adios Pro Evo 3. Sein Rekord war das Ergebnis einer Kette von Entwicklungen und Erkenntnissen, inspiriert durch Pitsiladis’ Visionen.
Die Fortschritte in der Schuhtechnologie sowie die verbesserte Energieversorgung der Läufer durch Sportgetränke, an deren Entwicklung ebenfalls Pitsiladis beteiligt war, haben zu dieser neuen Ära im Marathonlauf beigetragen. Eliud Kipchoge und Kelvin Kiptum schafften es, den Marathontechnologie-Sektor mit Weltrekorden von 2:01:09 bzw. 2:00:35 weiter voranzutreiben.
Obwohl Yomif Kejelcha als erster Athlet fast zeitgleich einen Marathon in 1:59:41 absolvierte, bleibt Sawe der offizielle Rekordhalter. Die Mauer ist gefallen, und die Grenzen des menschlichen Potenzials im Langstreckenlauf werden neu definiert.