In Zürich fand die bedeutsamste Übergabe umstrittener Kolonialobjekte aus öffentlichen Sammlungen statt, wobei eine entscheidende Frage offen blieb. Olugbile Holloway, Generaldirektor der nigerianischen National Commission for Museums and Monuments, reiste 4575 Kilometer an, um zu verkünden: «Die Schweizer halten ihr Wort.» Holloway unterzeichnete am Freitagabend im Zürcher Stadthaus drei Verträge mit Schweizer Museen, wodurch die Eigentumsrechte an Kunstschätzen seines Landes übergeben wurden – Objekte, auf deren Rückgabe Nigeria seit hundert Jahren wartet. Es handelt sich um 28 Benin-Bronzen, die durch den internationalen Kunstmarkt und andere Wege ins Land gelangten. Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) bezeichnete ihre Rückgabe als «Anerkennung von kolonialem Unrecht». Holloway verglich die Objekte mit Kindern, die vor langer Zeit entführt worden seien. Im Jahr 1897 wurden sie während einer britischen «Strafaktion» gegen das Königreich Benin geraubt. Er betonte, dass ihre Rückkehr mehr als ein symbolischer Akt sei und eine historische Ungerechtigkeit rückgängig mache. Er erklärte später der NZZ, dass Treffen mit westlichen Museumsvertretern oft in vielen schönen Worten endeten, ohne Taten zu folgen. In der Schweiz sei dies anders gewesen: «In relativ kurzer Zeit sind wir hier sehr weit gekommen. Das sollte anderen ein Beispiel sein.» Holloway unterzeichnete die Übergabeverträge, umringt von zwei Chiefs des «Oba» von Benin und Mitgliedern seines Hofstaats, während diese zustimmende Rufe ausstießen. Eine Frau beschrieb es als einen Ruf, der täglich in den Straßen von Benin-City zu hören sei – ein Symbol für Anwesenheit. Für das Museum Rietberg, das Völkerkundemuseum Zürich und das Ethnografische Museum Genf markiert die Übergabe eine bedeutende Wende. Carine Ayélé Durand, Direktorin des Genfer Museums, sieht den Wandel in der Haltung der Museen zu ihren Kulturgütern im intensiven Austausch zwischen westlichen Forschern und solchen aus den Herkunftsländern begründet. Im Juni werden 18 der 28 Objekte nach Nigeria zurückgeflogen; die restlichen bleiben als Leihgaben in der Schweiz. Holloway wurde gefragt, ob sie danach dem Staat oder dem Oba von Benin gehören würden: Es gebe eine Vereinbarung, wonach die wichtigsten Werke im Palast landen sollen, während andere in Museen in Lagos und Benin-Stadt ausgestellt werden. «Wir wollen, dass so viele Nigerianerinnen und Nigerianer wie möglich sie sehen», erklärte Holloway. Nach jahrzehntelangen Konflikten zwischen Königshaus und Regierung über Restitutionen berichtete Holloway von einer Einigung: «Wir wissen, was wir tun.» Die Museumskommission kümmert sich um das Logistische und Historische, während das Spirituelle dem Oba obliegt. Ein neues königliches Museum in Benin-Stadt ist bereits finanziell gesichert. Auf Kritik einer US-Aktivistengruppe, die die Übergabe an den Monarchen als Nachfahren von Sklavenhändlern ablehnte, antwortete Holloway mit einem Lächeln und der Bereitschaft zu Diskussionen: «Zuständig ist dafür nun aber der Oba.»