Das Metaversum, einst als die nächste große Revolution im Silicon Valley gefeiert, hat sich als gescheiterter Versuch erwiesen. Mark Zuckerberg prophezeite eine Zukunft des Einkaufens und Arbeitens in virtuellen Welten und entwickelte mit Meta das digitale Paralleluniversum “Horizon Worlds”. Dort fanden Nutzer Konzerte und Treffen statt, doch demnächst wird diese Plattform eingestellt.
Im Metaversum trafen sich Bewohner regelmäßig im virtuellen “Soapstone Comedy Club”, einer Mischung aus Karaoke-Bar und Improvisationstheater. Bekannte Comedians wie Natasha Leggero, Ron Funches und Pete Holmes hatten hier Auftritte, bis zu insgesamt rund 5000 Shows. Zu Höchstzeiten schauten wöchentlich etwa 13.000 Nutzer vorbei. Doch Meta wird “Horizon Worlds” zum 15. Juni abschalten; es bleibt nur noch auf Smartphones und Tablets verfügbar.
Trotz der düsteren Weltlage, in der Eskapismus Konjunktur haben könnte, hat sich Meta auf KI fokussiert, wobei der Firmenname als Fassade erscheint. Das Metaversum versprach eine 3-D-Welt, die das zweidimensionale Internet ablösen sollte. Marken wie Nike und Gucci eröffneten virtuelle Stores, während Stars wie Travis Scott und Ariana Grande Konzerte vor Millionen zogen.
In der Corona-Pandemie sah Zuckerberg im Metaversum eine Zukunft, in der man sich als Hologramm augenblicklich teleportieren könnte. Trotz seiner Begeisterung erhielt das Projekt jedoch kritische Stimmen wegen unpraktischer Hardware und mangelnder Immersion. Die Avatare hatten weder Beine noch eine überzeugende Grafik, was die Nutzer enttäuschte.
Zuckerberg präsentierte selbst einen beinlosen Avatar auf der Meta Connect 2022, was das Metaversum zur Lachnummer machte. “Horizon Worlds” zählte nur etwa 300.000 Nutzer im Vergleich zu “Fortnite” (650 Millionen) oder “Minecraft” (140 Millionen). Berichte über virtuelle Vergehen schreckten Besucher ab.
Trotz Bemühungen der Facebook-Ingenieure, die Plattform attraktiver zu machen, blieb der Erfolg aus. Meta hat geschätzt 80 Milliarden Dollar verbrannt. Der Misserfolg resultiert nicht nur aus technischen Problemen, sondern auch aus einer unklaren Vision: Sollte das Metaversum eine verbesserte Shopping-Mall oder ein neuer sozialer Raum sein?
Neal Stephenson, der den Begriff des “Metaverse” prägte, sieht heute keine Zukunft für Datenbrillen mehr. KI-Begleiter ersetzen virtuelle Sozialräume und bieten Intimität ohne physische Präsenz. Wenn die Zahl der toten Facebook-Nutzer die der lebenden überschreitet, könnten Roboter die Plattform bevölkern. Lebendige Treffpunkte wie den “Soapstone Comedy Club” wird es dann nicht mehr geben.