Nach sieben Jahrzehnten erhalten die Erben von Martha Nathan ein Gemälde des Schweizer Malers Ferdinand Hodler. Die Rückgabe erfolgt durch eine Winterthurer Stiftung und steht symbolisch für einen Wendepunkt in der Restitutionsgeschichte. Martha Nathan, 56-jährige Witwe eines Fellhändlers mit Wurzeln in Basel, lebte im Sommer 1931 in Frankfurt. Sie hatte ein Haus, ein Auto und ein beträchtliches Vermögen. Angesichts der drohenden Gefahren für Jüdinnen wie sie sandte Nathan vierzig wertvolle Gemälde aus dem Besitz ihres verstorbenen Mannes nach Basel, darunter das Werk “Thunersee mit Blüemlisalp und Niesen” von Hodler. In einem Schreiben an die Kunsthalle Basel erklärte sie die Absicht, diese Kunstwerke bei drohenden Unruhen zu schützen. Nach Hitlers Machtergreifung 1933 begann Nathans Flucht, die sie zunächst nach Frankreich und später nach Genf führte. Dort verkaufte sie einige ihrer Gemälde, um ihre Existenz zu sichern. Der Verkauf des Hodler-Gemäldes erfolgte durch den Galeristen Fritz Nathan an eine Person namens Sutter in Genua am 24. Juli 1941. Bruno Stefanini, ein in Winterthur ansässiger Multimillionär mit einer ungewöhnlichen Privatsammlung von Tausenden Objekten, erwarb das Bild 1998 für eine Viertelmillion Franken. Als Martha Nathans Erben 2006 anfragten, gab Stefanini keine Antwort. Stattdessen wurde im Vermerk seiner Sekretärin die problematische Provenienz des Gemäldes notiert. Die Restitution durch die Stefanini-Stiftung stellt einen historischen Fall in der Schweiz dar und könnte weitere Sammlungen unter Druck setzen, insbesondere die Sammlung von Emil Bührle im Kunsthaus Zürich. Das Gemälde “Das Nachtessen” von Claude Monet wurde 1944 an Bührle verkauft und ebenfalls kritisch betrachtet. Die Kommission um Andrea Raschèr, Jurist und Präsident der unabhängigen Restitutionskommission, entschied aufgrund einer mehrjährigen Untersuchung, dass Nathans Verkauf des Gemäldes unter Zwang erfolgte. Dieser Fall könnte die Debatte um NS-verfolgungsbedingten Kunstverlust in der Schweiz erneut entfachen. Währenddessen bereitet sich das Bild von Hodler auf eine Ausstellung in Hamburg vor, bevor es seinen rechtmäßigen Erben zurückgegeben wird. Martha Nathan verstarb 1958 in Genf, nachdem sie ein Leben voller Herausforderungen und Entbehrungen überstanden hatte.