Mit seiner klaren Haltung gegen Krieg und extreme Ungleichheit hat sich Papst Leo XIV., der erste US-Amerikaner auf dem Stuhl Petri, ein klares Profil geschaffen. Er widersetzt sich den Erwartungen der US-Regierung entschieden und erntet dafür weltweit Anerkennung. In der Schweiz warten Gläubige hingegen ungeduldig auf innere Reformen in der Kirche, insbesondere mehr Entscheidungsfreiheit. Helena Jeppesen, eine Schweizer Katholikin, betont, dass der «synodale Weg» zur Machtteilung und Inklusion rascher voranschreiten müsse – es sei «vielleicht die letzte Chance». Nach einem Jahr im Amt bleibt das vollständige Profil des Papstes noch offen. Seine Konfrontation mit US-Präsident Trump hat seine Sichtbarkeit jedoch erhöht.
Am Todestag seines Vorgängers Papst Franziskus wiederholte Papst Leo die drastischen Worte: «Diese Wirtschaft tötet», und bezeichnete die wachsende Schere zwischen Arm und Reich als noch deutlicher. Er macht Staatsführer verantwortlich, die sich nicht dem Gemeinwohl verschreiben, sondern ihrer Privatbereicherung nachgehen.
Während seiner Reise durch Kamerun, Angola und Äquatorialguinea kritisierte er die «Kolonisierung von Öl- und Mineralvorkommen» ohne Rücksicht auf Völkerrecht und Selbstbestimmungsrechte. Er betonte die Bedeutung von kritischem Journalismus, Bildung und unabhängiger Wissenschaft für sozialen Fortschritt und Umweltschutz.
Seine erste Enzyklika wird voraussichtlich Mitte Mai erscheinen und sich mit Menschlichkeit und Gerechtigkeit im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz befassen. Jüngst erklärte Papst Leo, dass Moral für ihn nicht nur eine Frage der Sexualmoral ist: Die heutigen weltweiten Kriege und ökonomischen Ungleichheiten sind seiner Meinung nach die größten moralischen Missstände.
Symbolträchtig besucht Papst Leo XIV. kirchliche Einrichtungen für Betagte, Waisen und Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie Gefängnisse – ein Zeichen seines sozial engagierten und gewaltfreien christlichen Handelns. Damit kritisiert er indirekt jene, die Krieg, Diskriminierung und Ausbeutung unter Berufung auf die Bibel rechtfertigen.
Papst Leos direkte Anspielungen an die US-Regierung lassen seine grundsätzliche Intention erkennen. Innerkirchlich muss er jedoch dringend Kardinäle ernennen, um Machtmissbrauch und Missbrauch innerhalb der Kirche entschieden anzugehen, fordert Theologieprofessor Gregor Maria Hoff von der Uni Salzburg.
Helena Jeppesen ruft dazu auf, möglichst viele Frauen in kirchliche Führungspositionen zu berufen – sowohl in Rom als auch in der Schweiz. Sie hofft nach ihren Begegnungen mit Papst Leo bei den Weltversammlungen in Rom, dass er wirklich zuhört.