Gian Carlo Cornado setzt sich ungewöhnlich entschlossen für die Interessen der italienischen Opfer des Brandes in Crans-Montana ein, während er zugleich das Vorgehen der Walliser Staatsanwaltschaft lobt. Er kündigte zudem seinen bevorstehenden Rücktritt als Botschafter an.
Auf Kritik von Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis hin betonte Cornado: Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni habe ihre Frustration über die Last der Spitalkosten für italienische Opfer und die Rechnungskopien, die an Familien gesandt wurden, in einem Tweet geäussert. Frau Meloni beauftragte ihn, diesen Punkten besondere Aufmerksamkeit zu schenken, was er tat. Cornado folgt den Anweisungen seiner Regierungschefin, wie auch der Schweizer Botschafter in Italien.
Er bestätigt seinen direkten Kommunikationsstil und betont, dass seine Äusserungen die Erwartungen seiner Regierung widerspiegeln. Bundespräsident Guy Parmelin hat kürzlich bilaterale Gespräche geführt, um Italien zu besänftigen, was Cornado als Zeichen der Bedeutung des Themas für Italien und seine Bürger sieht.
Cornado erläutert die Chronologie: Beschwerden von italienischen Opferfamilien über Rechnungen führten zur medialen Aufmerksamkeit und Regierungseinschaltung. Der Walliser Staatsrat Mathias Reynard versicherte, dass Italien nicht für alle Kosten aufkommen muss, betonte aber die europäische Richtlinie der Kostenerstattung – eine Verpflichtung, von der Italien in Fällen eigener medizinischer Hilfe verzichtet.
Cornado sieht den Streit um die Spitalrechnungen bald gelöst. Parmelin hat garantiert, dass keine weiteren Rechnungen verschickt werden und italienische Patienten nichts zahlen müssen. Ob die Schweiz die Kosten übernimmt, wird im Bundesrat besprochen.
Die Freilassung des Hauptbeschuldigten Jacques Moretti führte zu Spannungen in den bilateralen Beziehungen und einem Protestaufruf nach Rom. Cornado beschreibt dies als Schock für Italien und Solidaritätsbekundung der italienischen Öffentlichkeit.
Nach Rückkehrgenehmigung durch Opferfamilien kehrte er Anfang April in die Schweiz zurück. Die italienische Staatsanwaltschaft erreichte mit Walliser Zusammenarbeit das gewünschte Ermittlungsteam faktisch, auch wenn Dokumente einzeln beantragt werden müssen.
Cornado beschreibt ein konstruktives Treffen der Staatsanwaltschaften in Sitten und die positive Fortschrittsbilanz der Walliser Untersuchung. Seine Regierungsaufgabe besteht darin, Familien zu unterstützen und bilaterale Kooperation zu verfolgen.
Italien möchte als Zivilkläger Rettungs- und Behandlungskosten erstattet bekommen, was nicht mit dem Verzicht auf Forderungen gegenüber der Schweiz kollidiert. Cornado betont die Unterstützung für italienische Bürger in verschiedenen Bereichen.
Cornado wird 67 Jahre alt und wartet auf eine offizielle Rückrufmitteilung seiner Regierung, nachdem ein neuer Botschafter ernannt wurde.