Der renommierte afroamerikanische Schriftsteller Percival Everett, bekannt für seine satirischen und dystopischen Romane wie «Die Bäume», «James» und «Dr. No», äußert sich kritisch über die politische Lage in den USA. Im Interview mit der NZZ spricht er im Berliner Hotel, wo er zur Zeit zu Gast ist, über die Herausforderungen, denen Gebildete in der US-Politik gegenüberstehen.
Er kommentiert Donald Trumps jüngste Zollerhöhung für europäische Autos mit einem Kopfschütteln und bemängelt die Führung des Landes als inkonsequent und unzuverlässig. Trotz seiner Bedenken hält er fest, dass er sich nicht sicher ist, ob die politisch ermüdeten Amerikaner tatsächlich handeln werden.
Everett kritisiert den fehlenden Widerstand innerhalb der Republikanischen Partei gegen Trump und hebt Liz Cheney als eine von wenigen Ausnahmen hervor. Er äußert sich skeptisch über die anstehenden Zwischenwahlen im November, da er befürchtet, dass Wahlkreise manipuliert werden könnten.
Der Pulitzer-Preisträger zeigt Optimismus in Bezug auf eine Stärkung der Demokraten bei den Wahlen und hofft auf eine Rückkehr des Gleichgewichts zwischen den politischen Kräften. In Europa sieht er die Abwahl von Viktor Orban als positives Beispiel, obwohl er anmerkt, dass Medienmacht in Amerika entscheidend sein wird.
Everett teilt seine Freundschaft mit Barack Obama und betont dessen Intelligenz sowie seine Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Er diskutiert die Herausforderungen für gebildete Menschen in einer von Populismus geprägten Demokratie. Dabei reflektiert er über den Wert der Bildung und kulturellen Einfluss, während er Trumps Aufstieg als Beispiel für einen anderen Weg zum Erfolg nennt.
Der Autor erklärt seine Distanz zur politischen Propaganda und betont stattdessen sein Ziel, die Menschen zum Nachdenken anzuregen. Er beobachtet mit Sorge, wie der Einfluss Trumps Satiriker beeinträchtigt.
In seinem Gespräch über seinen Roman «Dr. No» beschreibt er den Protagonisten als Symbol für die Folgen einer Vertrauenskrise in der Politik. Everett äußert Bedenken darüber, dass politische Unberechenbarkeit zu steigenden Lebenshaltungskosten führt und fordert eine Reaktion von den Bürgern.
Zum Schluss reflektiert er über seine Erfahrungen als Pferdetrainer und die strategische Klugheit von Maultieren im Vergleich zu Menschen, während er sich auf seine vielfältige künstlerische Karriere bezieht. Er verweist darauf, dass das Abstrakte in der Kunst ihn fasziniert.