Im Konflikt mit dem Iran scheint sich US-Präsident Trump in einer Zwickmühle zu befinden. Er macht Ankündigungen und Drohungen, zieht jedoch kurz darauf die Notbremse. Derzeit kursieren Spekulationen über eine mögliche Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran zum Ende des Konflikts. Nahostexperte Andreas Böhm bietet dazu seine Einschätzung an.
Andreas Böhm, Dozent für Philanthropie, Politische Theorie sowie Geopolitik am Mittleren Osten an der Universität St. Gallen, erklärt gegenüber SRF News: “Donald Trump hat sich in eine heikle Lage manövriert und versucht nun, einen Ausweg zu finden, ohne allzu viel einzubüßen. Ihm stehen drei unerwünschte Optionen zur Verfügung: einen Deal, der weit von den maximalen US-Forderungen entfernt ist, die Fortsetzung des Status quo, was katastrophale Folgen für die Weltwirtschaft hätte, oder eine erneute Eskalation der Kampfhandlungen. Wahrscheinlich hat er sich für die am wenigsten schädliche Lösung entschieden.”
Nach den Angriffen von USA und Israel auf Iran warnte Böhm davor, dass der Iran versuchen könnte, den Konflikt auszudehnen: “Der Iran ist militärisch unterlegen, daher muss er versuchen, durch andauernden Druck eine Einigung zu erwirken. Dies erklärt die Angriffe auf die Emirate und das Blockieren der Straße von Hormus, was die Weltwirtschaft gefährdet. Der Fehler Trumps und seines Teams war es, diese Taktik nicht ernst zu nehmen.”
Böhm betont: “Der Iran hat zwar in diesem Konflikt gelitten, aber er besitzt strategische Vorteile wie geografische Lage und Größe, die ihm helfen könnten.”
Was Verhandlungsmöglichkeiten betrifft, so sieht Böhm nur schwer realisierbare Chancen: “Ein neues Abkommen würde weitreichende regionale Neuausrichtungen erfordern. Theoretisch könnte das von Obama verhandelte Atomabkommen der Ausgangspunkt sein, doch Trumps Team fehlt die nötige diplomatische Kompetenz und Geduld.”
Böhm sieht China in einer Schlüsselrolle: “Bei dem anstehenden Besuch Trumps bei Xi Jinping könnte das Thema zur Sprache kommen. China könnte als Garant aufseiten des Iran agieren, um die Verhandlungslösung mit den USA zu unterstützen und damit US-Hegemonie infrage stellen.”
Das Gespräch führte Matthias Kündig.
Echo der Zeit, 06.05.2026, 18:00 Uhr; srf/lin;schn