Die Planung der finanziellen Zukunft nach dem Renteneintritt birgt Risiken, da Berater oft eigene Interessen über die ihrer Kunden stellen. Angehende Ruheständler stehen vor einer wesentlichen Entscheidung: Sollen sie ihr Pensionskassenguthaben als Rente beziehen oder als Kapital auszahlen lassen? Auch eine Mischform ist möglich. Diese Entscheidung, oft die bedeutendste finanzielle Wahl im Leben, sollte gut überlegt sein.
Statistiken des Bundesamts zeigen, dass 2024 von den Personen mit neuen Pensionskassenleistungen in der Schweiz 45 % das Kapital alleine erhielten, während 36 % eine Rente wählten und 19 % eine Kombination aus beiden. Bei dieser Entscheidung sind potenzielle Fehler zu vermeiden.
Finanzinstitute beraten oft angehende Rentner in diese Richtung, was häufig zu Fehlberatungen führt, wie Finanzplanungsexperte Reto Spring anmerkt: “Viele Berater empfehlen den Kapitalbezug aus Eigeninteresse.” Die Risiken dieses Bezugsweges werden oft vernachlässigt. Zudem kann eine Börsenkrise kurz nach der Pensionierung die finanzielle Planung durcheinanderbringen, während Renteneinkommen Stabilität bietet.
Finanzinstitute bevorzugen den Kapitalbezug, da das Geld nicht in deren Produkte investiert wird und keine Beratungsleistungen mehr benötigt werden. Die Wahl hängt jedoch immer von der persönlichen Situation ab: Flexibilität ist ein Vorteil des Kapitalbezugs, besonders wenn eine kürzere Lebenserwartung vorliegt.
Das Vererben spielt ebenfalls eine Rolle; nur beim Kapitalbezug kann das Vermögen vererbt werden. Es geht letztlich darum, den Grundbedarf im Alter zu decken. Marcel Eigenmann betont die Notwendigkeit, frühzeitig für den Lebensunterhalt im Alter vorzusorgen.
Die Kosten der Lebensführung nach dem Renteneintritt belaufen sich auf etwa 80 % des aktuellen Budgets, eine Zahl, die je nach individuellen Vorstellungen variiert. Eine Unterschätzung der eigenen Lebenserwartung kann zur finanziellen Not führen, wie Spring warnt.
Viele fragen sich, ob sie das Kapital selbst verwalten sollten. Dies erfordert jedoch Wissen und Erfahrung in Geldanlagen, die man idealerweise schon vor dem Renteneintritt aufbaut. Pensionskassen profitieren von Skalenvorteilen im Vergleich zu Privatanlegern.
Wer sein Vermögen als Kapital bezieht, sollte sich der höheren Verwaltungskosten bewusst sein. Auch die körperliche und geistige Fähigkeit zur Geldverwaltung im Alter ist eine wichtige Überlegung. Es muss geklärt werden, wer das Geld später verwalten wird.
Viele erhoffen sich Steuervorteile beim Kapitalbezug, obwohl neben der einmaligen Abgabe auch jährlich Vermögenssteuer anfällt und auf Kapitalerträge Einkommenssteuern gezahlt werden müssen. Laut Spring verringert sich so im Laufe von 20 Jahren der Steuervorteil erheblich.