Die jüngsten Parlamentswahlen in Ungarn haben gezeigt: Viktor Orbans Ära geht zu Ende, doch die Erwartungen an seinen Nachfolger, Peter Magyar, sind hoch. Eine Umfrage des Europäischen Rats für Auswärtige Beziehungen (ECFR) zeigt auf, dass der Wählerauftrag gegenüber dem neuen Ministerpräsidenten fragil bleibt.
Am 9. Mai tritt Peter Magyar sein Amt an und steht vor der Herausforderung, als Erbe Orbans das Land zu führen. Seine Wahl war weniger eine Entscheidung für seine Person, sondern vielmehr ein klares Votum gegen Orban. Die Wählerbefragung nach den Wahlen deutet darauf hin, dass Magyars Visionen und Politikpläne unter den Bürgern Ungarns nur unzureichend bekannt sind.
Magyar positionierte sich als „Stimme des Volkes“, das Veränderungen will. Die Wahl hat die Sehnsucht der Menschen nach weniger Korruption und besseren Lebensbedingungen verdeutlicht. Der ECFR-Bericht hebt hervor, dass nur 15 Prozent der Wähler von der Vision seiner Partei Tisza oder von Magyars Qualitäten überzeugt waren.
Die Umfrage legt nahe, dass Magyar vor allem mit innenpolitischen Fragen konfrontiert wird: die Senkung der Lebenshaltungskosten sowie Verbesserungen im Bildungs- und Gesundheitswesen stehen an erster Stelle. Die Mehrheit der Ungarn scheint weniger besorgt über die Beziehungen zur EU, doch erwarten sie von Magyar eine Annäherung an Brüssel.
Fast 80 Prozent wünschen sich ein besseres Verhältnis zur EU und hoffen auf den Zugang zu eingefrorenen Wiederaufbaugeldern. Ein Erfolg in dieser Hinsicht wäre für Magyar und seine Partei bedeutend, da es die Neuausrichtung des Landes symbolisieren würde.
Die ungarische Bevölkerung erwartet zudem die Unterstützung der Ukraine durch finanzielle Mittel der EU, lehnt jedoch militärische Hilfe ab. Ein signifikanter Unterschied besteht darin, dass Tisza-Wähler häufiger für den Transit von Militärhilfe und einen EU-Beitritt der Ukraine sind, während die Mehrheit der Ungarn dagegen ist.
Eine weitere Verschiebung zeigt sich in der Haltung zur russischen Energie. Während zwei Drittel der Tisza-Anhänger vor der Wahl den Stopp von Einkäufen befürworteten, sind nun nur noch knapp die Hälfte dafür. Eine Mehrheit lehnt generell einen Stop russischer Energieimporte ab, was Magyars Handlungsspielraum innenpolitisch vergrößert, jedoch Spannungen mit der EU provozieren könnte.
Trotz konservativer Wurzeln weisen die Tisza-Wähler eine progressive Haltung in Fragen wie Klimapolitik und LGBTQ-Rechten auf. Sie befürworten erneuerbare Energien sowie den Schutz von LGBTQ-Rechten, während sie gleichzeitig traditionelle Familienpolitiken unterstützen.