Unbekannte Investoren setzen massiv auf fallende Ölpreise, kurz bevor US-Präsident Donald Trump über Truth Social verkündet, dass er von Angriffen auf die iranische Energieinfrastruktur absehen wird. Diese Ankündigung führt zu einem abrupten Preisverfall an den Ölmärkten.
Am Montagmorgen werden an Terminbörsen auffällige Transaktionen registriert: Über 6200 Kontrakte für Rohöl, was etwa 580 Millionen Dollar entspricht, wechseln in kurzer Zeit den Besitzer. Dieses Volumen ist laut der “Financial Times” ungewöhnlich hoch für diese Tageszeit.
In Washington beginnen die Transaktionen um 6:49 Uhr; nur 15 Minuten später postet Trump auf seinem Netzwerk über Gespräche mit dem Iran und seine Entscheidung, von einem Angriff abzusehen. Diese Nachricht beruhigt die Märkte, und der Ölpreis stürzt ein. Ein Händler beschreibt den Morgen als “sehr profitabel” für jemanden.
Solche geschickt getimten Transaktionen sind nicht neu; schon länger werfen ähnliche Wetten auf politische Entscheidungen Fragen auf. Auf Plattformen wie Polymarket setzen Nutzer mit Kryptowährung auf militärische Aktionen der USA, etwa im Zusammenhang mit Venezuela oder Iran.
Medienanalysen legen nahe, dass einige Konten kurz vor Militäreinsätzen eröffnet wurden und ihre Betreiber fast ausschließlich darauf gesetzt haben, dass Angriffe stattfinden. Dies könnte auf Insiderwissen hindeuten, obwohl dies nicht bewiesen ist.
In Washington fordern Demokraten strengere Regeln für solche Plattformen; sie wollen Bundesangestellten das Wetten auf Kriegsereignisse verbieten und die Aufsicht über Prognosemärkte verschärfen.
Der Öl-Trade vom Montag lässt sich nicht eindeutig als Insiderhandel deuten. Der Anstieg der Ölpreise in den Vorwochen könnte auch reguläre Gewinnmitnahmen erklären, so Experten gegenüber der “Financial Times”. Trotzdem bleibt unklar, ob es wirklich Insiderwissen gab oder nur glückliches Timing.
In Washington nutzen Politiker beider Parteien oft ihren Informationsvorsprung für Finanzgeschäfte. Besonders im Umfeld von Trump verschwimmen die Grenzen zwischen politischer Macht und privatem Profit. Beispielsweise war Jared Kushners Affinity Partners wegen Bedenken der Fondsverwaltung umstritten, und Trump selbst verwandelte seine politische Marke in ein Finanzprodukt mit dem Meme-Token $Trump.
Auch innerhalb von Trumps Regierung wurden Aktien kurz vor wichtigen Ankündigungen verkauft. Obwohl beim 580-Millionen-Dollar-Trade vom Montag kein Insiderwissen nachweisbar ist, passt er in das Muster eines oft missbräuchlichen Informationsvorsprungs.